Die Beauftragten im Interview

Das Büro für Chancengleichheit und Vielfalt zum Deutschen Diversity-Tag am 18. Mai 2021

Die Beauftragten und die Koordinatorin für Kinder- und Jugendinteressen stehen vor dem Rathaus.
Die Beauftragten und die Koordinatorin für Kinder- und Jugendinteressen stehen vor dem Rathaus.
Von oben nach unten: Dr. Tina Denninger, Magdolna Grasnick, Martina Trauth und Stefanie Buhr (Foto: Landeshauptstadt Potsdam / R. Schnabel)

Der Deutsche Diversity-Tag findet jährlich auf Initiative des Vereins Charta der Vielfalt e. V. statt mit dem Ziel, den Vielfaltsgedanken in die Arbeitswelt und in die Gesellschaft zu tragen. In ganz Deutschland beteiligen sich Unternehmen und Institutionen an diesem Aktionstag. Dieses Jahr findet er am 18. Mai 2021 statt.

Im Team des Büros für Chancengleichheit und Vielfalt in der Landeshauptstadt Potsdam sind:

  • Martina Trauth, Leiterin und Gleichstellungsbeauftragte
  • Magdolna Grasnick, Beauftragte für Migration und Integration
  • Dr. Tina Denninger, Beauftragte für Menschen mit Behinderung sowie
  • Stefanie Buhr, Koordinatorin für Kinder- und Jugendinteressen

Warum die Beauftragten im Büro für Chancengleichheit und Vielfalt sich für die Vielfalt in der Landeshauptstadt Potsdam engagieren und welche Potenziale sie darin sehen, lesen Sie im folgenden Interview.

 

  • Als Team des Büros für Chancengleichheit und Vielfalt engagieren Sie sich für die Vielfalt in der Arbeitswelt, in der Politik und in der Gesellschaft. Was bedeutet für Sie „Vielfalt“ und Diversität?

Martina Trauth, Gleichstellungsbeauftragte und Leiterin des Büros: „Für mein persönliches und berufliches Leben ist Vielfalt eine wahre Schatztruhe. Vielfalt bedeutet für mich die Wertschätzung von Unterschieden".

Dr. Tina Denninger, Beauftragte für Menschen mit Behinderung: „Für mich heißt Vielfalt, dass alle Menschen in all ihrer Verschiedenheit dennoch gleiche Möglichkeiten in dieser Gesellschaft und in dieser Stadt haben. Dies betrifft natürlich auch Menschen mit Behinderung, die ebenfalls keine homogene Gruppe sind, sondern die Gruppe in sich ist von Vielfalt geprägt. Vielfalt heißt auch Miteinander.

Magdolna Grasnick, Beauftragte für Migration und Integration: „Vielfalt an sich ist die Beschreibung der Normalität. Über diese Normalität muss man dennoch immer wieder nachdenken und reden, weil nicht jeder Mensch diese wahrnimmt. Denn die globale Entwicklung in der Welt bringt auch eine Entwicklung in die Kommunen, wo das Leben passiert; die Kommunen werden vielfältiger. Eine Benachteiligung darf niemand wegen „Andersseins“ erfahren.“

 

  • Warum ist Ihnen Vielfalt in der Landeshauptstadt Potsdam wichtig?

Martina Trauth: „Die Vielfalt der Menschen bringt eine kulturelle und soziale Bereicherung und demzufolge Potenziale mit sich, welche wir als Landeshauptstadt erschließen wollen. Unsere Gesellschaft ist bunt und vielfältig - unsere Arbeitswelt auch".

Auch Magdolna Grasnick sieht in der Vielfalt großes Potenzial für das wachsende Potsdam: „Unsere schöne urbane Gesellschaft wächst – und wie? – in Vielfalt. Diese Vielfalt ist das Gewürz in einer lebendigen Stadt. Vielfalt ist eine wertvolle Ressource für die Stadtgesellschaft, für Wissenschaft, für Unternehmen“.

Stefanie Buhr, Koordinatorin für Kinder- und Jugendinteressen: "Kinder differenzieren in ihren ersten Lebensjahren andere Kinder nicht nach ihren Unterschieden, sie sind neugierig. Während Jugendliche schon häufiger, in ihrem Alltag diskriminiert wurden oder mit Gewalterfahrungen, persönlicher Betroffenheit, Mobbing oder Vorurteile in Berührung gekommen sind. Für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ist es enorm wichtig einen Perspektivenwechsel machen zu können und Konfliktlösungsstrategien zu erlernen".

Für Tina Denninger setzt die Demokratie Vielfalt voraus: „Vielfalt bietet für alle die Möglichkeit, in ihrer Individualität leben zu dürfen und nicht ausgeschlossen zu werden. Von Vielfalt können alle profitieren, weil so alle voneinander lernen können, ihre Perspektive erweitern können. Durch die Anerkennung von Vielfalt kann der Spielraum dessen, was als normale gilt, erweitert werden, sodass alle Menschen ihren Platz finden können, ganz gleich welches Geschlecht, kulturellen Hintergrund, Alter, Behinderung etc. Das Motto des Bundesbehindertenbeauftragten Jürgen Dusel „Demokratie braucht Inklusion“ passt auch hier in leicht abgewandelter Form: Demokratie braucht Vielfalt"!

 

  • Wie fördern Sie die Vielfalt in der Landeshauptstadt Potsdam?

Martina Trauth: „Ich versuche, Filter in der Personalpolitik zu identifizieren, die das Phänomen der „gläsernen Decke“ bewirken. Damit ist gemeint, dass qualifizierte Frauen seltener in höhere Führungspositionen gelangen. Außerdem setze ich mich dafür ein, dass Männer und Frauen der gleichberechtigte Zugang zu familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen zur Verfügung steht, dazu gehören Führung in Teilzeit als auch die Inanspruchnahme von längerer Elternzeit ohne Nachteile für die Karriere. Wichtig finde ich auch die Förderung einer aufgeschlossenen Organisationskultur in Bezug auf die sexuelle Orientierung, die ermöglicht, dass Beschäftigte einen wichtigen Teil ihrer Persönlichkeit zeigen dürfen. Hierzu werde ich in den kommenden Monaten Sensibilisierungsmaßnahmen einleiten".

Magdolna Grasnick: „Ich unterstütze mit meiner Arbeit den Prozess der interkulturellen Öffnung der Verwaltung. Das Integrationskonzept und das Integrationsmonitoring der LHP weisen darauf hin, dass dabei die Betrachtung der Vielfalt in Bezug auf ethnische Herkunft, Behinderung, Geschlecht, Alter, Religion/Weltanschauung und sexuelle Identität im Organisations- und Personalentwicklungsprozess fortgeführt und intensiviert werden sollen“.

Dr. Tina Denninger: „Ich fördere die Vielfalt in der Landeshauptstadt Potsdam, indem ich mich für die Chancengleichheit von Menschen mit Behinderung einsetze. Dies geschieht unter anderem über die Unterstützung von Initiativen und Projekten, die sich mit dem Thema Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderung beschäftigen. Auch die Beteiligung von Menschen mit Behinderung bspw. in baulichen Projekte, gehört dazu“.

Stefanie Buhr,"Ich wirke in meiner Arbeit darauf hin, Kinder und Jugendliche bei der Auseinandersetzung mit bestehenden Themen wie Ausgrenzungen, Zugangsbarrieren, Differenzen und Diskriminierungen in den Bereichen Geschlecht, Herkunft, Status, sexuelle Orientierung, Alter, Behinderung, ethnische Herkunft, Religion etc. zu unterstützen und zu fördern. Kinder und Jugendliche erlernen ihr Sozialverhalten durch Vorbilder und Menschen die ihnen ein demokratisches und vielfältiges Miteinander vorleben".

 

  • Welche Bedeutung hat der Deutsche Diversity-Tag für Ihre Arbeit im Büro für Chancengleichheit und Vielfalt?

Martina Trauth: „Auch wir in der Stadtverwaltung bekennen uns zur Notwendigkeit von Diversity. Das ist ungemein wichtig. Ich finde zum Beispiel, dass Diversity-Maßnahmen in unserer Stadtverwaltung dabei helfen können, den Blick auf Talente statt auf Defizite von Beschäftigten zu richten. Gerade in Zeiten des demografischen Wandels ist dies sehr chancenreich“.

Magdolna Grasnick: „Am heutigen Tag wird deutschlandweit das Thema der Vielfalt in Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Gemeinsam – mit vielen Kommunen, Verwaltungen auf unterschiedlichen Ebenen, Wirtschaftsunternehmen und Vereinen – erreichen wir eine Sensibilisierung, ein Nachdenken mit positiven Vorzeichen für das Thema".

Stefanie Buhr: "Diesen Tag zum Anlass zu nehmen, die persönlichen Werte und Glaubenssätze kritisch zu hinterfragen und sich bewusst zu machen, welche Position vermittle ich meinen Kindern durch mein Handeln?"