Das besondere Exponat im Naturkundemuseum Potsdam

Das besondere Exponat - der Stieglitz (© Naturkundemuseum Potsdam/ Foto: C. Blumenstein)
Das besondere Exponat - der Stieglitz (© Naturkundemuseum Potsdam/ Foto: C. Blumenstein)
Das besondere Exponat - der Stieglitz (© Naturkundemuseum Potsdam/ Foto: C. Blumenstein)

Stieglitz oder Distelfink – Carduelis carduelis

Vogel des Jahres 2016

Zu den farbenprächtigsten und beliebtesten Singvögeln Europas gehört der Stieglitz. Auf dem ansonsten weiß und schwarz gefärbten Kopf leuchtet eine rote Gesichtsmaske. Der Gesang, ein lautes, hastig vorgetragenes Zwitschern, wird oft mit einer rhythmischen Wiederholung der arttypischen „stiglit“-Rufe eingeleitet. Diesem „Stiglit“ verdankt der Stieglitz seinen deutschen Namen. Gesangspassagen und Rufe sind das ganze Jahr über zu hören. Wegen seiner Farbenpracht und Sangeskunst war er lange Zeit ein beliebter Käfigvogel. Fast überall in Europa, außer in Skandinavien und auf Island, lebt der Stieglitz. Er ist ein Standvogel und Kurzstreckenzieher. Im Frühjahr und Sommer trifft man ihn auf Nahrungssuche in großen Gärten, Obstplantagen und offenen baumreichen Landschaften an, im Spätherbst und im Winter häufig auf Brachland und an Wegesrändern mit vielen Disteln und Kletten.

Der Stieglitz ist wie kein anderer Vogel in struktur- und artenreichen Landschaften zu Hause. Seit 1994 gingen fast 90 Prozent aller Brachflächen verloren. Mit dem Verlust von Brachflächen, der zunehmenden Intensivierung der Landwirtschaft und dem fortschreitenden Strukturverlust in der Kulturlandschaft werden der Lebensraum und die Nahrungsgrundlage für den Stieglitz stark beeinträchtigt.

Mit 12 Zentimetern ist er einer der kleinsten Finken. Er wiegt 16 bis 19 Gramm und wird in der freien Natur etwa 5 Jahre alt. Männchen und Weibchen unterscheiden sich kaum. Das Männchen ist etwas größer und die Gefiederfärbung ist intensiver. Mit der Balz beginnt der Stieglitz im März. Die Paare bleiben dauerhaft zusammen. Von April bis Juli kommt es zu durchschnittlich 2 Bruten mit 4 bis 6 blau weißlichen Eiern. Das Nest wird aus kleinen Zweigen, Moos und Flechten gebaut und mit Haaren und Distelwolle ausgepolstert. Das Weibchen brütet allein und wird in dieser Zeit vom Männchen mit Nahrung versorgt. Die Nahrung der Jungen besteht anfänglich aus dem Inhalt des Kropfes, später auch aus kleinen Insekten und vor allem aus Distelsamen. Die Nahrung wechselt im Jahresverlauf. Im Winter werden vor allem Baumsamen verzehrt, in der Brutzeit vornehmlich Samen milchreifer Korbblütler gefressen. Stieglitze sind tagaktiv und leben die meiste Zeit des Jahres in Gruppen. Sie verteidigen keine großen Territorien, sondern nur die unmittelbare Umgebung des Nestes.

Im Mittelalter war der Stieglitz ein Symbol für Ausdauer, Fruchtbarkeit und Beharrlichkeit. Man findet ihn auf vielen Gemälden. Der Stieglitz ist wie alle Singvögel eine geschützte Art und weltweit nicht gefährdet. In einigen Regionen kam es in den letzten Jahren jedoch zu einem Bestandsrückgang.