"SCHAUSTELLE" zum Potsdam Museum 2012

SCHENKUNG DES MONATS

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Die graphische Sammlung des Potsdam Museums hat durch eine Schenkung von Annelene Trapp, geb. Dietz Zuwachs bekommen. Das markante Porträt des Potsdamer Künstlers Ernst Ludwig Kretschmann zeigt Heinrich Laurenz Dietz, den Vater der Stifterin.
Nachdem der Förderverein des Potsdam Museums einen engen Kontakt zur Tochter des Potsdamer Architekten Dietz aufgebaut hatte, erhielt das Museum das von Walter Bullert geschaffene Kinderbildnis der damals Fünfjährigen. Wenig später gelangte das Holzschaukelpferd, auf dem die Dargestellte im Bildnis zu erkennen ist, in die Spielzeugsammlung des Museums.
Mit dem Porträt von Heinrich Laurenz Dietz besitzt das Museum nun ein Pendant zum Selbstbildnis des Künstlerfreundes Ernst Ludwig Kretschmann - beide entstanden unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1919.
Kretschmann wurde am 26. November 1897 in Gießen geboren und begann seine künstlerische Laufbahn 1914 an der Kunstgewerbeschule in Mainz. Dort lernte er unter den Kunstschülerinnen Elisabeth Christine Maschmann, die spätere Ehefrau des Potsdamer Architekten und Peter-Behrens-Schüler Heinrich Laurenz Dietz kennen. Im September 1916 meldete sich Ernst Ludwig Kretschmann freiwillig für einen Kriegseinsatz und gelangte an die Westfront, wo er das Zeichnen fortsetzte und erste Skizzenbücher anlegte. Nachdem er bis Februar 1919 eine erlittene Kriegsverletzung in einer Klinik in Berlin-Charlottenburg auskuriert hatte, wechselte er von Berlin nach Potsdam. Der Künstler bezog 1920 eine Dachgeschosswohnung in der Lindenstraße 43 und pflegte ein enges Verhältnis zur Familie Dietz.

Ernst Ludwig Kretschmann und Laurenz Heinrich Dietz waren auch beide Mitglieder im Potsdamer Kunstverein, Dietz gehörte seit 1923 zum Vorstand.
Die Federzeichnung des Freundes, die den Dargestellten zur Seite gewandt im Dreiviertelprofil zeigt, entstand in Kretschmanns erstem Potsdam-Jahr. Mit schnellem, sicherem Strich und dichter Schraffur ist das Profil des Architekten erfasst, nur summarisch erscheint die angedeutete Schulter- und Brustpartie. Als Ausdruck der langen Freundschaft lassen sich auch zahlreiche großformatige Gemälde anführen, die Kretschmann für das Haus Dietz schuf. Unter ihnen befand sich das heute nicht mehr existierende Gemälde „Die Gestrandeten" von 1925/26, das einst die Stirnwand des Salons zierte.

 

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