Investitionsprogramm nationale UNESCO-Welterbestätten (IUNW)

Villa Tieck, Friedenssaal, Gartenhaus und Pergolamauer

Die Gebäudegruppe Villa Tieck, Friedenssaal und Gartenhaus liegt an der Einmündung der Hegelallee in die Schopenhauerstraße in einer außerordentlich exponierten, stadtbildprägenden Lage. Die Anlage markiert gemeinsam mit dem Dreikönigstor einen der östlichen Eingänge in den Friedensgarten und ist städtebaulich zugleich das Bindeglied zwischen dem vielteiligen Bauensemble der Friedenskirche und den Bauten und Gartenanlagen des preußischen Hofes. Zur Zeit Friedrich Wilhelms I. befand sich hier ein Hopfengarten für das in Potsdam gebraute Bier. Der Anbau wurde unter Friedrich II. eingestellt. Das Kerngebäude der Villa entstand 1773 in barocker Formensprache. Am 11. März 1843 kaufte Ludwig Persius im königlichen Auftrag Haus und Grundstück, um Zugang und Baustelleneinrichtung für den Bau der Friedenskirche zu haben. 1846 wurde das Wohnhaus nach Plänen von Ludwig Persius umgestaltet und das Grundstück bis zum Dreikönigstor mit einer Pergolamauer eingefriedet. Bis 1849 diente es als Sommerwohnung für den von Friedrich Wilhelm IV. nach Berlin berufenen bedeutenden romantischen Dichter Ludwig Tieck. 1874 wurde der seit 1852 existierende Kindergarten der Friedensgemeinde in den Gebäuden untergebracht, das Haus erhielt den Namen „Königin-Elisabeth-Haus". Der benachbarte Friedenssaal, einem Saalbau, der durch einen einstöckigen Verbinder mit dem zweigeschossigen Gartenhaus verbunden wird, kam erst 1907 hinzu. Er wurde durch Hofbaurat Lothar Krüger als Gemeindehaus der evangelischen Friedensgemeinde behutsam im Gartenbereich der bestehenden Villa eingefügt.

Die Arbeiten an der im Zweiten Weltkrieg stark geschädigten und notdürftig reparierten Hülle der Gebäudegruppe umfassten die Restaurierung, Ergänzung und Erneuerung der schadhaften Putz- und Stuckfassaden auch die Rekonstruktion von verlorengegangener Bauteile, wie der Ädikula an der Hauptfassade der Villa Tieck oder dem Palmettenaufsatz am Dachrand sowie dem darunter liegenden Ornamentfries. Der Friedenssaal kann nach der Restaurierung und der energetischen und akustischen Ertüchtigung des Saalbaus als Veranstaltungsort für Konzerte, Tagungen u. ä. genutzt werden. Im restaurierten Gartenhaus konnten Erweiterungen für die Kita geschaffen werden. Die im 19. Jahrhundert errichtete Pergolamauer, von der nur noch Reste erhalten geblieben waren, wurde als ein zeittypisches, italianisierendes Element der höfischen und bürgerlichen Gartenarchitektur rekonstruiert und bildet heute wieder eine architektonische Grenzlinie vom Park Sanssouci zur Stadt hin.