Gedenkstättenkonzeption und künftige Trägerschaft der "Gedenkstätte Lindenstraße für die Opfer politischer Gewalt im 20. Jahrhundert"

Die Potsdamer "Gedenkstätte Lindenstraße für die Opfer politischer Gewalt im 20. Jahrhundert" ist der einzige authentische Erinnerungsort im Land Brandenburg und in der Bundesrepublik, der sowohl die Geschichte der beiden aufeinander folgenden, unterschiedlichen Diktaturen in Deutschland von 1933 bis 1989 als auch die Überwindung der SED-Diktatur in der friedlichen Revolution des Jahres 1989/90 widerspiegelt. Aus diesem Grund haben das Land Brandenburg und die Landeshauptstadt Potsdam 2011 die Entscheidung getroffen, die bisher geleistete Aufbauarbeit der Gedenkstätte Lindenstraße weiter zu entwickeln und finanziell zu fördern.

Im September 2011 hat der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt der Stadtverordnetenversammlung und der Öffentlichkeit eine Gedenkstätten-Konzeption vorgestellt und mit Beginn dieses Jahres den bisherigen Status der Gedenkstätte verändert. Seit dem 1. Januar 2012 ist die Gedenkstätte Lindenstraße nicht mehr eine Außenstelle des Potsdam Museums, sondern für eine Übergangszeit bis zur Herbeiführung einer mit dem Land abzustimmenden neuen Trägerschaft dem Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters zugeordnet.

Im Hinblick auf die künftige Arbeit der Gedenkstätte hat sich der Kulturausschuss der Stadtverordnetenversammlung dazu entschlossen, die Gedenkstättenkonzeption und die Frage der künftigen Trägerschaft unter breitest möglicher Beteiligung gründlich zu beraten und dazu eine öffentliche Anhörung durchzuführen. Im Vorfeld hatte das Büro des Oberbürgermeisters in Abstimmung mit dem Kulturausschuss einen Fragenkatalog an insgesamt 40 Verbände, Institutionen und Einzelpersonen sowie an alle Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung und des Landtags übersandt und um eine kurze Stellungnahme bis zum 20. Mai 2012 gebeten. Etliche der Adressaten hatten um eine Verlängerung der Frist gebeten. Alle bis zum 1. Juni 2012 eingegangenen Antworten wurden als Grundlage für die Diskussion in einer Synopse zusammengestellt.

Diese öffentliche Anhörung fand am 7. Juni 2012 in der Gedenkstätte Lindenstraße mit ca. 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt. Moderiert wurde sie von Dieter Jetschmanegg, Leiter des Büros des Oberbürgermeisters.
Die drei Experten Ulrike Poppe (Beauftragte des Landes Brandenburg für die Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur), Prof. Dr. Konrad H. Jarausch (University of North Carolina, Chapel Hill/USA) und Prof. Dr. Rainer Eckert (Direktor des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig) waren gebeten worden, eine kurze Einschätzung zum Diskussionsstand vorzunehmen, diesen aus ihrer Sicht zu kommentieren und eigene Empfehlungen auszusprechen. Alle drei bezeichneten die vorliegende Konzeption als gute Grundlage für die weitere Arbeit der Gedenkstätte und befürworteten eine Trägerschaft in Form einer kommunalen Stiftung.

In der folgenden Diskussion bedankte sich Dr. Hans-Hermann Hertle (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam), einer der Mitverfasser der Konzeption, für die zahlreichen Anregungen in den einzelnen Stellungnahmen und versicherte, dass vieles davon in die künftige Tätigkeit der Gedenkstätte einfließen werde. Teilweise kontroverse Diskussionen gab es um die angemessene Gedenkkultur für die Opfer des Nationalsozialismus. Die Verantwortlichen für die Gedenkstätte boten an, das Konzept für das derzeit in Arbeit befindliche Ausstellungsmodul zur Lindenstraße 54/55 in der Zeit des Nationalsozialismus noch im Herbst diesen Jahres öffentlich zur Diskussion zu stellen. Offen blieb die Frage nach der optimalen Zusammensetzung und nach der Funktion des Beirats der Gedenkstätte. Es deutete sich an, dass es hierzu ebenfalls weitere Gespräche geben wird.

Eine Zusammenfassung der Beiträge und der Diskussion finden Sie hier.

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