Von Dr. Lutz Partenheimer

Die Landeshauptstadt Potsdam und ihre Geschichte

Im 20. Jahrhundert

Das Ende der Monarchie 1918 bedeutete für die bisher von Hof, Garnison und Verwaltung geprägte Stadt wieder einen tiefen Einschnitt. In verkleinertem Maße blieb Potsdam Garnisonstadt. Am 21. März 1933 beging Hitler mit dem „Tag von Potsdam" in der Garnisonkirche die Reichstagseröffnung. Während des Zweiten Weltkrieges waren mehrere Offiziere des Potsdamer Infanterieregiments 9 an der Vorbereitung des Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944 beteiligt. In der Nacht vom 14. zum 15. April 1945 zerstörte ein englischer Bombenangriff große Teile der Potsdamer Innenstadt. Auch Garnisonkirche und Stadtschloss wurden Ruinen, während die Parks mit ihren Schlössern fast unbeschädigt blieben. Die Kämpfe mit sowjetischen Einheiten in den letzten Apriltagen verursachten weitere schwere Schäden.

Nach Kriegsende wurde im Schloss Cecilienhof Ende Juli/Anfang August 1945 zwischen Churchill, Truman und Stalin das Potsdamer Abkommen geschlossen. 1948 bezog die neue Brandenburgische Landeshochschule (seit 1951 Pädagogische Hochschule) die Communs hinter dem Neuen Palais. Der teilweise Wiederaufbau der zerstörten historischen Innenstadt begann. Allerdings wurden die erhaltungsfähigen Ruinen von Stadtschloss (1960), Garnisonkirche (1968) und Heiliggeistkirche (1974) beseitigt. Bis 1971 schüttete man den Stadtkanal zu, dessen teilweise Freilegung jetzt begonnen hat. Als neue Wohngebiete entstanden Waldstadt I (1960-70), Kiewitt (1966-73), Potsdam-West (1971-74), Zentrum-Ost (1972-75), Stern (1974-80), Waldstadt II (1977-88), Schlaatz (1982-88), Drewitz (ab 1988) und Kirchsteigfeld (in den neunziger Jahren).

Seit 1990 ist Potsdam Hauptstadt des neu gegründeten Landes Brandenburg. Anziehungspunkt wird neben den Schlössern und Gärten sowie der historischen Innenstadt immer mehr die Konzentration medialer (Studiotour Babelsberg, Filmmuseum) und wissenschaftlicher Einrichtungen. Zu diesen gehören die Universität Potsdam (seit 1991), die Filmhochschule, die Fachhochschule Potsdam, eine Vielzahl von Forschungsinstituten, das Militärgeschichtliche Forschungsamt, das Brandenburgische Landeshauptarchiv und die Stadt- und Landesbibliothek.

* Dr. Lutz Partenheimer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Mittelalterliche Geschichte des Historischen Instituts der Universität Potsdam