Pressemitteilung Nr. 807 vom 06.12.2013

Landeshauptstadt Potsdam ehrt Dr. Ludwig Levy

Jann Jakobs (3.v.l.) enthüllt die Gedenktafel zusammen mit dem Vorsitzenden der SVV
Jann Jakobs (3.v.l.) enthüllt die Gedenktafel zusammen mit dem Vorsitzenden der SVV
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Oberbürgermeister Jann Jakobs und der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Potsdam, Peter Schüler, haben heute zusammen mit der Familie des Geehrten eine Gedenktafel für den sozialdemokratischen Stadtverordneten von 1928 bis 1933, Dr. Ludwig Levy, vor dem Plenarsaal des Potsdamer Rathauses enthüllt. Anwesend waren neben der Sprecherin der Familie Susan Dean noch drei Enkel und drei Urenkel von Dr. Levy. Oberbürgermeister Jann Jakobs betonte in seiner Ansprache, dass der Rechtsanwalt ein Beispiel ist für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. „Mit Ludwig Levy erinnern wir an ein besonders düsteres Kapitel deutscher Geschichte: die nationalsozialistische Gewaltherrschaft zwischen 1933 und 1945", sagte Jakobs. „Sie machte auch vor den gewählten Vertretern der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung keinen Halt." Jakobs dankte der SPD und den Grünen für ihre Unterstützung und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit für die Anregung der Ehrung.

Der Potsdamer Rechtsanwalt Dr. Levy hatte im Mai 1933 ein Vertretungsverbot als Rechtsanwalt erhalten, weil er Kommunisten juristisch vertreten hatte. Am 24. Juni wurde er verhaftet und ins KZ Oranienburg verbracht. Als er einen Monat später entlassen wurde, war inzwischen gegen ihn ein Berufsverbot verhängt worden. Er blieb in Potsdam und fand Arbeit in der Konservenfabrik Lehmann bei seinem Schwiegersohn, bis das jüdische Unternehmen 1938 „arisiert" wurde. Bevor er seine geplante Emigration nach Palästina verwirklichen konnte, wurde er am 10. November 1938 erneut verhaftet und wieder nach Oranienburg in das KZ Sachsenhausen verschleppt. Nur unter der Auflage, Deutschland zu verlassen, kam er wieder frei und emigrierte wenig später mit seiner Frau Antonia nach Palästina. Das war seine Rettung - und gleichzeitig die seiner Familie. Später wanderte er nach Australien aus und engagierte sich als juristischer Berater der „United Restitution Organization", um Verfolgte des NS-Regimes bei ihren Entschädigungsforderungen zu vertreten.