Pressemitteilung Nr. 795 vom 03.12.2013

Ehrendes Gedenken an Dr. Ludwig Levy

Dr. Levy
In Anerkennung der besonderen Verdienste von Herrn Dr. Ludwig Levy, die er sich durch sein langjähriges Engagement in der Stadtverordnetenversammlung und für Potsdam erworben hat, wird am Freitag, den 6. Dezember 2013 um 14.30 Uhr vor dem Plenarsaal des Potsdamer Rathauses eine Gedenktafel feierlich enthüllt. "Damit ehren wir einen standhaften Sozialdemokraten", sagt Oberbürgermeister Jann Jakobs, „der sich in der Stadtverordnetenversammlung Potsdam Verdienste um seine Heimatstadt erwarb und im Kampf gegen den Nationalsozialismus stand."

Als Ludwig Levy am 7. Dezember 1883 in Potsdam geboren wurde, lebte seine Familie bereits seit drei Generationen in Potsdam. Er besuchte das Viktoria-Gymnasium und studierte nach dem Abitur Rechtswissenschaften in Freiburg, München und Berlin. Nach seiner Promotion in Leipzig und dem Referendariat am Kammergericht in Berlin, ließ er sich 1910 als Rechtsanwalt in Potsdam nieder. Seine Kanzlei hatte er in der Nauener Str. 30/31. Von 1916 bis 1918 war er Soldat im 1. Weltkrieg und wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. In der Weimarer Republik wurde er 1921 Mitglied der SPD. Von 1928 bis 1933 vertrat er seine Partei in der Stadtverordnetenversammlung, wurde stellvertretender Vorsitzender und Mitglied im Finanzausschuss.

Im Mai 1933 erhielt er ein Vertretungsverbot als Rechtsanwalt, weil er Kommunisten juristisch vertreten hatte. Am 24. Juni wurde er verhaftet und ins KZ Oranienburg verbracht. Als er am 24. Juli entlassen wurde, war inzwischen gegen ihn ein Berufsverbot verhängt worden. Er blieb in Potsdam und fand Arbeit in der Konservenfabrik Lehmann bei seinem Schwiegersohn, bis das jüdische Unternehmen 1938 „arisiert" wurde.

Bevor er seine geplante Emigration nach Palästina verwirklichen konnte, wurde er am
10. November 1938 erneut verhaftet und wieder nach Oranienburg in das KZ Sachsenhausen verschleppt. Nur unter der Auflage, Deutschland zu verlassen, kam er wieder frei und emigrierte wenig später mit seiner Frau Antonia nach Palästina. Von 1940 bis 1946 arbeitete er dort als Zivilbeschäftigter bei der britischen Armee.

Danach emigrierte er weiter nach Australien/Sydney zu seiner Tochter Irene und ihrem Mann Erich Lehmann und Enkelin Nina. Als Büroangestellter, Buchprüfer und manchmal auch als Arbeiter in einer Textilfabrik verdiente er sich dort seinen Lebensunterhalt. Erst ab Ende 1956 war er juristischer Berater der „United Restitution Organization" und beriet Verfolgte des NS-Regimes bei ihren Entschädigungsforderungen. Ludwig Levy starb am 22.12.1966 in Sydney im Alter von 83 Jahren.

An der Enthüllung nehmen der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Potsdam Jann Jakobs, der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Peter Schüler, der Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Hans-Jürgen Schulze-Eggert und die Enkelin von Dr. Ludwig Levy, Susan Dean, teil.