Pressemitteilung Nr. 691 vom 03.11.2014

Oberbürgermeister: Städtepartnerschaft mit Sansibar angestrebt

Oberbürgermeister Jann Jakobs hat heute ein positives Fazit der Besuchsreise einer Delegation der Landeshauptstadt Potsdam nach Sansibar gezogen. „Wir haben uns verständigt, eine Städtepartnerschaft anzustreben und uns über alle aktuellen Fragen von der Umweltsituation bis zu Gesundheitsversorgung informiert“, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs. „Ich kann mir gut vorstellen, eine Städtepartnerschaft formell zu unterzeichnen – wenn beide Kommunen zustimmen.“ Die Delegation absolvierte vor Ort ein fünftägiges Arbeitsprogramm. Der Gegenbesuch soll im kommenden Jahr erfolgen.

Erster wichtiger Punkt auf der Reise der Potsdamer Delegation in Zanzibar-Town war die offizielle Unterzeichnung einer Klimapartnerschaftserklärung. Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs und sein sansibarischer Amtskollege Khatib Abdulrahaman Khatib bekräftigten den Willen beider Kommunen, nicht nur in Punkto Klimaschutz enger zusammen zu arbeiten. „Wir sind bestrebt, die gute Zusammenarbeit aufrecht zu erhalten und auf verschiedenen Gebieten wie bei den Themen Gesundheit, Bildung, Wirtschaft und UNESCO-Welterbe auszubauen“, sagte Jakobs nach seinem Treffen mit Khatib Abdulrahaman Khatib. So ist unter anderem der Austausch von Daten- und Kartenmaterial sowie ein Wissensaustausch zur Nutzung der Daten geplant. Für 60 000 Euro wurden bereits konkrete umweltpolitische Projekte umgesetzt: unter anderem der Einsatz von Solarlaternen, Bäumen und Abfallbehältern auf dem zentralen Festplatz Mnazi Mmoja Ground.

Bei einem Round-Table der Vereine informierten sich die beiden Verwaltungschefs zudem über aktuelle Projekte von sansibarischen und deutschen NGOs. Die Bandbreite dabei reichte von Jugendaustausch-Projekten über die Förderung von Frauenfußball, die Verbesserung von sanitären Anlagen in Schulen, Algenanbau- Projekten bis hin zur Organisation eines Filmfestes.

Aufschlussreich für die Potsdamer Delegation war auch ein Treffen mit der Zanzibar Investment Promotion Authority (ZIPA) und der Handelskammer, bei dem die Reisenden sich über die lokalen Wirtschaftsstrukturen informierten. „Neben der Notwendigkeit, Infrastruktur zu schaffen, ist eines der größten Probleme der Wirtschaft auf Sansibar der Fachkräftebedarf. Gemeinsam mit der IHK Potsdam wollen wir nun auf Potsdamer Unternehmen zugehen und Wege suchen, wie wir die Berufsausbildung und Qualifizierung der Menschen auf Sansibar verbessern können. Vorstellbar ist auch eine Unterstützung mit Maschinen und Werkzeugen, die den Berufsschülern dort zu Gute kommt“, sagt Stefan Frerichs, Leiter der Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Potsdam.
 
Ein großes Problem für die Tourismuswirtschaft und die Landwirtschaft  stellen die Folgen des Klimawandels dar. Fauzia M. Haji, Direktorin für Planungspolitik und Forschung und Sheha M. Juma, Direktor der Umweltabteilung im Büro des Vizepräsidenten des halbautonomen Teilstaats Tansanias, schilderten den Gesprächspartnern aus Potsdam die Sorgen der Einwohnerinnen und Einwohner. So haben die Menschen auf Sansibar unter stärkeren Stürmen und häufigeren Überflutungen zu leiden. Sie müssen mit höheren Tideständen und höheren Temperaturen zurechtkommen. Dies führe zu erheblichen Beeinträchtigungen bei den wichtigsten Einkommensquellen der Insel. Ein erster Schritt, diesen Folgen des Klimawandels zu begegnen, ist die Kooperation mit Potsdam.

Auf dem Programm der Potsdamer Delegation stand auch ein Besuch der State University of Zanzibar (SUZA). Die Hochschule hat eine Klimastrategie für die Regionalregierung der Insel entwickelt, in die sich die Kooperation mit Potsdam sehr gut einfügt. Einen weiteren Anknüpfungspunkt für künftige Zusammenarbeit sehen die Mitglieder der Potsdamer Delegation im Bereich der Gesundheitsfürsorge, etwa mit dem jetzt gegründeten medizinischen Bereich der Universität. „Wir wollen die Ärzte und das Pflegepersonal mit Praktika, Stipendien und Fortbildungen unterstützen. Hier bieten sich gerade auf dem Gebiet der Telemedizin sehr gute Anknüpfungspunkte“, sagte Prof. Hubertus Wendisch, Medizinischer Geschäftsführer des Ernst von Bergmann-Klinikums. Prof. Michael Radke, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, ergänzte: „Bei einer Klinik, die wir in Dar es Salaam besucht haben, können wir organisatorische Unterstützung beim Aufbau einer Muttermilch-Bank leisten. Hier verfügen wir über viel Erfahrung, die den Kindern und Eltern in Tansania langfristig helfen kann.“

Am Ende der Fahrt war die Delegation im Umoja-Haus in Daressalam, dem Regierungssitz Tansanias, zu Besuch. Dort sind vier verschiedene internationale Einrichtungen untergebracht, unter anderem die deutsche und die niederländische Botschaft. Der deutsche Botschafter Egon Kochanke nahm sich zwei Stunden Zeit, der Delegation die Entwicklungsthemen Energieversorgung, Gesundheitswesen, Bildung, Landwirtschaft, Stadtplanung und Verkehrsentwicklung zu erläutern. Er legte den Fokus auf das Engagement anderer Investoren, besonders auf China, Japan und Korea. Desweiteren erklärte er sehr ausführlich den Verfassungsreformprozess, der in einem Referendum im Februar 2015 abgestimmt werden soll.