Pressemitteilung Nr. 499 vom 15.08.2014

Geschichtspfad "Sowjetische Geheimdienststadt" in Potsdam eröffnet

Dr. Ines Reich und Dr. Iris Jana Magdowski an der Stele Militärgefängnis
Dr. Ines Reich und Dr. Iris Jana Magdowski an der Stele Militärgefängnis
Dr. Ines Reich und Dr. Iris Jana Magdowski an der Stele Militärgefängnis. Foto Landeshaupstadt Potsdam / Jan Brunzlow
Stele am Wohnhaus des Chefs der Spionageabwehr
Stele am Wohnhaus des Chefs der Spionageabwehr
Stele am Wohnhaus des Chefs der Spionageabwehr. Foto Landeshaupstadt Potsdam / Jan Brunzlow

Genau 20 Jahre nach dem Abzug der letzten russischen Einheiten aus dem „Militärstädtchen Nr. 7“ in Potsdam ist heute ein Geschichtspfad eröffnet worden, der an die „verbotene Stadt“ zwischen dem Neuem Garten und dem Pfingstberg erinnert. Gemeinsam mit der Leiterin der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße, Dr. Ines Reich, übergab die Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport der Landeshauptstadt Potsdam, Dr. Iris Jana Magdowski, den Geschichtspfad der Öffentlichkeit. „Der Pfad macht die historischen Spuren der einstigen Geheimdienststadt, die mitten in unserer Stadt lag, sichtbar und ergänzt das Informationsangebot der Gedenkstätte Leistikowstraße auf anschauliche und eindringliche Weise. Für mich ist es sehr bewegend, diesen Pfad am heutigen Tag – 20 Jahre nach dem Abzug der letzten russischen Einheiten - den Potsdamerinnen und Potsdamern und den Besuchern unserer Stadt zu übergeben“, sagte Dr. Iris Jana Magdowski.

Im „Militärstädtchen Nr. 7“ befand sich fast 50 Jahre lang die Deutschlandzentrale der sowjetischen Militärspionageabwehr. Den Mittelpunkt des Areals bildete das Gefängnis, in dem sich heute die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße befindet. An insgesamt 14 Punkten bietet der Geschichtspfad nun Informationen zur Geschichte und Funktion historischer Gebäude, zu baulichen Relikten und Spuren der Geheimdienststadt. Das Projekt der Landeshauptstadt Potsdam ist in Kooperation mit der Gedenkstätte Leistikowstraße entstanden, die die Konzeption und die Inhalte erarbeitete. Die Gesamtkosten für das Projekt betragen 53 000 Euro.

Der Geschichtspfad „Sowjetische Geheimdienststadt ‚Militärstädtchen Nr. 7‘“ hat eine Länge von 2,5 Kilometern und ist bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erkunden. Die Tafeln informieren mit Texten und Bildern unter anderem über noch vorhandene Teile der

Sicherungsanlagen, einer Denkmalanlage, über die Wohnung des Kommandanten, das ehemalige Gefängnisgebäude und die als Sitzungssaal Sowjetischer Militärtribunale genutzte Kapelle im ehemaligen Kaiserin-Augusta-Stift. Über sogenannte QR-Codes können mit einem Smartphone weitere Fotos und Informationen zu den jeweiligen Standorten über das Internet abgerufen werden.

Zum Geschichtspfad erscheint ein Flyer mit einem Übersichtsplan und zwei Routenvorschlägen, deren Ausgangs- oder Endpunkte mit dem Besuch bedeutender Sehenswürdigkeiten der Potsdamer Kulturlandschaft verbunden werden können. Route 1 informiert über die Infrastruktur der Geheimdienststadt. Route 2 führt durch den einstigen inneren Sicherheitsbereich der Geheimdienststadt. Beide Routen kreuzen die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße, deren ständige Ausstellung den Terror des Geheimdienstes, die Schicksale von Häftlingen und den Alltag im „Militärstädtchen Nr. 7“ dokumentiert.

Hintergrund
In der Nauener Vorstadt entstand nach dem Zweiten Weltkrieg auf einer Fläche von 16 Hektar eine Geheimdienststadt mit mehr als 100 Gebäuden. Im Kernbereich befand sich eine Hochsicherheitszone mit Hauptquartier und einem Untersuchungsgefängnis. Die Militärspionageabwehr unterstand ab 1954 dem sowjetischen Geheimdienst KGB. Sie sollte die Besatzungsherrschaft sichern und Spionage westlicher Geheimdienste gegen die in der DDR stationierten sowjetischen Truppen abwehren. Ermittlungsoffiziere inhaftierten Verdächtige im Gefängnis, unter ihnen bis 1955 zahlreiche Deutsche, verhörten sie und zwangen sie zu Geständnissen.

2011 hatte die Potsdamer Stadtverordnetenversammlung beschlossen, dass die baulichen Relikte, die über das Gefängnisgebäude als Hauptexponat hinaus noch heute auf die Geheimdienstnutzung hindeuten, erhalten und markiert werden sollen. Im Rahmen eines Kooperationsvertrages zur „Entwicklung einer Konzeption zur Markierung der baulichen Spuren in der ehemaligen Geheimdienststadt ‚Militärstädtchen Nr. 7‘ und deren Verbindung durch ein Wegeleitsystem (Geschichtspfad)“ legte die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam im Sommer 2013 ihre Ergebnisse vor, die im Frühjahr 2014 durch die Stadtverordneten zur Realisierung empfohlen wurden. Der Geschichtspfad wurde vom Potsdamer Büro design.BÜROSTICH+ gestaltet. Die Realisierung übernahm die Roland Schulze Baudenkmalpflege GmbH.

Termine
Die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam lädt zu öffentlichen Führungen entlang des Geschichtspfades ein am 17. August, 31. August und 21. September jeweils um  14 Uhr. Am Sonntag, 12. Oktober, beginnt um 13 Uhr eine Sonderführung mit dem Titel „Spuren des sowjetischen Geheimdienstes im ‚Militärstädtchen Nr. 7‘ in Potsdam: Gefängnis Leistikowstraße, Kapelle im ehemaligen Kaiserin-Augusta-Stift und Villa Quandt“ in Kooperation mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten und der Sundance Dentalkeramik GmbH.
Hierfür ist Anmeldung erbeten unter: mail@gedenkstaette-leistikowstrasse.de.

Kontakt
Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam
Leistikowstraße 1, 14469 Potsdam
Telefon: (0331) 2011540
E-Mail: mail@gedenkstaette-leistikowstrasse.de
Internet: www.gedenkstaette-leistikowstrasse.de
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag jeweils 14 bis 18 Uhr, Montag geschlossen