8. Januar 2005

013 | Bombe auf dem Gelände des Potsdamer Klinikums entschärft

Bisher komplizierteste Evakuierung in der Geschichte der Landeshauptstadt beendet

Am heutigen Samstag wurde die am 29. Dezember 2004 auf dem Gelände des Ernst-von-Bergmann-Klinikums in Potsdam gefundene Bombe entschärft. 13:37 Uhr hatten Manuel Kunzendorf und Klaus Pöhl vom Staatlichen Munitionsbergungsdienst den Aufschlagzünder aus der amerikanischen 250-kg-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entfernt. Die Entschärfung erwies sich insofern als kompliziert, da der Zünder nicht nur verformt, sondern durch die lange Lagerung im Erdreich auch stark verschmutzt und korrodiert war. Nach der Entschärfung wurde die Bombe verladen und abtransportiert.
Der Entschärfung vorausgegangen war eine der kompliziertesten Evakuierungsaktionen in der Geschichte der Landeshauptstadt. Erstmals war das größte Krankenhaus Potsdams, das Klinikum „Ernst von Bergmann“, von einer fast vollständigen Räumung betroffen. Bereits am Vortag war in einer Sporthalle am Luftschiffhafen durch die Potsdamer Feuerwehr und ein Lazarett-Regiment der Bundeswehr ein provisorisches Krankenhaus eingerichtet worden, in das am heutigen Vormittag knapp 100 Patienten aus dem Klinikum durch Kräfte der Feuerwehr und der Bundeswehr verlegt wurden.
Planmäßig begann am Morgen auch die Evakuierung der Potsdamer Bevölkerung aus den betroffenen Teilen der Innenstadt. Ab 8 Uhr gingen rund 200 Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Tür zu Tür und forderten die vorinformierten Bürger auf, ihre Wohnungen zu verlassen und sich in die im Oberstufenzentrum I (OSZ I) in der Jägerallee bereitgestellten Aufenthaltsräume zu begeben bzw. andere Möglichkeiten zu nutzen. Insgesamt mussten rund 5000 Potsdamerinnen und Potsdamer die Schutzzone verlassen.
Gegen 10 Uhr waren im Oberstufenzentrum 12 pflegebedürftige Personen eingetroffen und wurden betreut. 10:05 Uhr war aus dem Klinikum „Ernst von Bergmann“ alle zum Transport vorgesehenen Patienten zum Luftschiffhafen abgeholt worden, die letzten trafen 10:25 Uhr am Luftschiffhafen ein. Durch die Bundeswehr waren 66 Patienten zum Luftschiffhafen verlegt worden, die Feuerwehr Potsdam hatte 27 Patienten des Klinikums transportiert. Oberbürgermeister Jann Jakobs überzeugte sich zu dieser Zeit vor Ort von der Unterbringung der 93 Patienten im provisorischen Krankenhaus und von deren Betreuung durch Ärzte und Pflegekräfte.
40 Patienten waren bereits am Freitag mit 12 Fahrzeugen der Feuerwehr in den Klinikteil „In der Aue“ transportiert worden.
Ab 10 Uhr kamen Lautsprecherwagen der Polizei zum Einsatz, die die Bevölkerung zum Verlassen des Evakuierungsgebietes aufforderten. Insgesamt wurde die Aktion von 128 Einsatzkräften der Polizei unterstützt.
11 Uhr waren im Oberstufenzentrum I 36 Personen eingetroffen, darunter alle die dort zur Betreuung angemeldet waren sowie 14 zusätzliche. Für die Betreuung und Versorgung dort war der Betreuungszug des DRK Potsdam eingesetzt. In der Seniorenresidenz Heilig-Geist-Park wurden zu dieser Zeit 6 Personen, in der Heinrich-Heine-Klinik in Neu Fahrland 7 Personen betreut.

Nachdem gegen 11:20 Uhr acht von 14 Evakuierungsbereichen frei gemeldet werden konnten, waren es 11:45 Uhr 12. 12:15 Uhr wurde die Einsatzleiterin Marina Kluge davon informiert, dass die Evakuierung abgeschlossen werden konnte. Die Entschärfung der Bombe begann nach dem Rückzug aller Einsatzkräfte aus der Schutzzone 12:30 Uhr.

Insgesamt im Einsatz waren am heutigen Tag im Zusammenhang mit der Evakuierung 184 Einsatzkräfte der Feuerwehr und des DRK, die Mehrzahl davon Mitglieder der Potsdamer Berufsfeuerwehr, aber auch Kollegen aus Cottbus, Brandenburg und Frankfurt/Oder mit 39 Fahrzeugen. Dazu kamen rund 200 Mitarbeiter der Stadtverwaltung, 60 Angehörige der Bundeswehr mit 12 Fahrzeugen und 128 Polizisten sowie am gestrigen Tag die Berliner Feuerwehr.