Erste Ergebnisse der Evaluierung der Umweltorientierten Verkehrsteuerung

042 | Potsdamer Luftqualität verbessert

Die Anstrengungen der Landeshauptstadt Potsdam und des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz zeigen mit der Umsetzung der Umweltorientierten Verkehrssteuerung und der Fortschreibung des Luftreinhalteplans erste Erfolge, die der Umwelt und der Gesundheit der Potsdamerinnen und Potsdamer zu Gute kommen. Diese Ergebnisse wurden heute durch den Beigeordneten für Stadtentwicklung und Bauen Matthias Klipp und den für das Verkehrsmanagement der Stadt zuständigen Mitarbeiter vorgestellt.

Die Luftgütemessungen des Landesamtes für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg weisen für das Jahr 2012 rückläufige Schadstoffwerte im Potsdamer Stadtgebiet auf. Im Vergleich zum Vorjahr 2011, in dem bis zu 55 Überschreitungstage aufgetreten sind, waren 2012 deutlich weniger Überschreitungstage zu verzeichnen.

An den vier in Potsdam vorhandenen Messstellen wurde der Tagesmittelwert von 50µg Feinstaub/m³ (PM10) an den zulässigen 35 Tagen pro Jahr nicht überschritten. Die Messstellen in Groß Glienicke und Potsdam-Zentrum zeichneten nur sechs bzw. sieben Überschreitungstage auf. An den Messstellen in der Zeppelin- und Großbeerenstraße, die eine deutliche höhere Verkehrsbelastung aufweisen, wurden insgesamt 24 bzw. 14 Überschreitungstage gemessen.

An den zwei verkehrsnahen Messstellen in der Großbeerenstraße und Zeppelinstraße liegt der Jahresmittelwert für Stickstoffdioxid (NO2) bei 45 µg/m3 bzw. 47 µg/m3 und damit über dem zulässigen Wert von 40 µg/m³. Die zulässigen 18 Überschreitungstage pro Jahr mit einem Stundenmittelwert > 200 µg/m3 wurden jedoch mit zwei verzeichneten Tagen in der Großbeerenstraße weit unterschritten.

Die statistische Auswertung der Messdaten für das Land Brandenburg erfolgt durch das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz und ist auf deren Internetseiten veröffentlicht.

Die Umweltorientierte Verkehrssteuerung wurde am 17. April 2012 in Betrieb genommen. Von Mai bis Juni 2012 wurden verschiedene Feinjustierungen und Verbesserungen am Verkehrssteuerungssystem vorgenommen. Ziel der Nachjustierungen war die Verbesserung der Grünen Welle und die Minimierung der verkehrlichen Auswirkungen an den Pförtneranlagen in der Breiten Straße, Zeppelinstraße und der Straße Am Neuen Garten.

Die Wirkung der Umweltorientierte Verkehrssteuerung wird durch den Vergleich der Verkehrs- und Luftschadstoffdaten des sogenannten „Vorher-Fall" (vor Umsetzung der Umweltorientierte Verkehrssteuerung) mit dem „Ist-Fall" (nach Umsetzung der Umweltorientierte Verkehrssteuerung) analysiert und bewertet. Ausgewertet werden die Daten aus dem 3. und 4. Quartal 2012 sowie die Folgejahre 2013 und 2014. Aus dem 3. Quartal 2012 liegen die Auswertungen für den Hot-Spot „Behlertstraße" exemplarisch vor:
Bei nahezu gleichbleibenden Verkehrsmengen hat sich die Verkehrsqualität gegenüber dem Vergleichszeitraum ohne UVS deutlich verbessert. Der Stauanteil wurde auf ein Zehntel verringert; die Anzahl der Fahrzeuge im Stau verringerte sich von 86.000 auf 10.000 Kraftfahrzeugen. Die Fahrzeuge im zähfließenden Verkehr verringerten sich von 177.000 auf 90.000 Kraftfahrzeugen.

Durch die verbesserte Verkehrsqualität konnte der verkehrlich bedingte Luftschadstoffanteil im 3. Quartal 2012 bei Stickstoffoxiden (NOx) um ca. 2,2 % und bei PM10 um ca. 4,4 % gegenüber dem Vergleichszeitraum 2010 gemindert werden. Die Dosierung und Verstetigung des Verkehrs leisten somit ein wesentlicher Beitrag zur Senkung der verkehrsbedingten Luftschadstoff-Immissionen in diesem hochbelasteten Hot-Spot Bereich.

Für die Breite Straße und Zeppelinstraße liegen die Ergebnisse aufgrund der Komplexität und Ausdehnung der Streckenzüge noch nicht vollständig vor. Die in der Behlertstraße erreichten Minderungseffekte sind jedoch ebenfalls für die Hot-Spots „Zeppelinstraße" und „Breite Straße" zu erwarten.

Mit der Fortschreibung des Luftreinhalte- und Aktionsplans wurde im Dezember 2012 in der Großbeerenstraße zwischen Lutherplatz und Fritz-Zubeil-Straße Tempo 30 eingeführt. Diese Maßnahme leistet sowohl einen wesentlichen Beitrag zur Senkung der Luftschadstoff-belastung als auch der Lärmbelastung für die Anwohner der Großbeerenstraße.

Das Ziel muss es natürlich weiterhin sein, erst gar keine Überschreitungen zuzulassen, um die Gesundheit der Anwohner, Beschäftigten und Durchreisenden zu schützen! Daher ist insbesondere eine Veränderung im individuellen Verkehrsverhalten nochwendig, d. h. eine Veränderung des Modal Split hin zu größeren Anteilen des öffentlichen Personennahverkehrs und des Rad- und Fußgängerverkehrs.

Um die Erfahrungen anderer Kommunen und der Wissenschaft in das Thema "Saubere Luft" einfließen zu lassen, führte die Landeshauptstadt Potsdam Fachgespräche mit der Senatsverwaltung Berlin und dem Institute for Advanced Sustainability Studies e.V. Potsdam.

Im Fachgespräch zum Thema "Luftreinhalteplanung der Landeshauptstädte Potsdam und Berlin" Ende November 2012 wurden die Wirkungen der Berliner Umweltzone und die der Umweltorientierte Verkehrssteuerung in Potsdam gegenübergestellt. Die Fachleute kamen zu dem Schluss, dass die unterschiedlichen Lösungsansätze vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Größen und Verkehrsnetze beider Städte jeweils positiv auf die Schadstoffreduzierung wirken. Ein weiterer wichtiger Punkt zur Reduzierung der Luftschadstoffbelastung in den beiden Städten ist der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs- und Radverkehrsnetzes.

Mit einem gemeinsamen Workshop der Landeshauptstadt Potsdam und des Institute for Advanced Sustainability Studies e.V. Potsdam, dessen Exekutivdirektor Prof. Dr. Klaus Töpfer ist, wurde Anfang Dezember 2012 eine gelungene Auftaktveranstaltung durchgeführt. Mitarbeiter der Landeshauptstadt Potsdam aus den Bereichen "Umwelt und Natur" sowie "Verkehrsmanagement" erörterten mit dem wissenschaftlichen Direktor des Institute for Advanced Sustainability Studies e.V. Potsdam PD Dr. Mark Lawrence und seinen Mitarbeitern, wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Luftschadstoffen und Klimaveränderungen schnell und effizient in das Handeln von Politik, Verwaltung und Gesellschaft einfließen können.