Pressemitteilung Nr. 788 vom 11.12.2012

100. Todestag von Ernst Reinhold Ludwig Persius

Der 12. Dezember 2012 ist der 100. Todestag von Ernst Reinhold Ludwig Persius. Er war ein Architekt, der heute sicher zu Unrecht im Schatten seines Vaters steht. Viele Gebäude nach seinen Entwürfen schmücken noch heute die Landeshauptstadt. Daher werden Vertreter der Landeshauptstadt Potsdam morgen um 14 Uhr auf dem Bornstedter Friedhof seines 100. Todestages gedenken. Der Beigeordnete Matthias Klipp wird zusammen mit Andreas Kalesse, Bereichsleiter der Unteren Denkmalschutzbehörde, Landeskonservator Thomas Drachenberg und Vertretern der Sello‘schen Familienstiftung einen Kranz niederlegen. „Ernst Reinhold Ludwig Persius hat Potsdam mit seinen Bauten einen Stempel aufgedrückt", sagte Potsdams Baubeigeordneter Matthias Klipp. „Sein Streben richtete sich auf eine Berücksichtigung der historischen Entwicklung und des damit verbundenen Charakters der Bauten. Dies ist ein sehr moderner und bis heute gültiger Ansatz in der schwierigen Aufgabe der baulichen Denkmalpflege."

Sein Leben:
Reinhold Persius wurde am 27. August 1835 in Potsdam als viertes Kind des Architekten des Königs, Ludwig Persius, und seiner Gemahlin Charlotte geb. Sello, in Potsdam geboren. Als im Sommer des Jahres 1845 sein Vater starb, war Reinhold Persius noch nicht ganz zehn Jahre alt. Sein Vater hinterließ eine junge Ehefrau mit sechs Kindern, die nach dem frühen Tod ihres Vaters in Potsdam aufwuchsen in einem der Gärtnergehilfenhäuser an der Maulbeerallee unterhalb der Orangerie, das der König der Witwe als Wohnsitz bis zu ihrem Tode mietfrei überließ. Das Leben am Rand des Parks Sanssouci sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Leben nur in allergrößter Sparsamkeit und mittels Zuwendungen des Bruders, Hermann Sello, möglich war. Dass es der jungen Witwe gelang, ihren Kindern eine Bildung zukommen zu lassen, ist sicherlich ihrer Energie und der Hilfsbereitschaft ihrer Familie zu verdanken.
Nach dem Abitur begann er 1854 das Architekturstudium an der Berliner Bauakademie unter Ferdinand von Arnim mit dem Abschluss eines Bauführers nach nur zwei Jahren. Zur selben Zeit besuchte er die Königlich Preußische Akademie der Künste. In den Jahren 1856 bis 1860 war er als Bauleiter für den Architekten Friedrich August Stüler und den Potsdamer Maurermeister Johann Wilhelm Lüdicke tätig.

Im Jahr 1860 entstanden während einer Italienreise vermutlich etwa 150 Architekturzeichnungen, von denen 90 Exemplare erhalten sind. Diese Zeichnungen spiegeln die Kenntnis von architektonischen Details, die ein sehr genaues Auge voraussetzen und eine große Ruhe und Sicherheit wiederspiegeln, und seine Neigung zum Romantischen wider. Sie sind primär Architekturzeichnungen, wobei sie in überwiegendem Maße ländliche und verfallende Architekturen in Skizzenbuchformat zeigen.

Sein Wirken:
Durch ein zweites Studium an der Bauakademie in Berlin von 1860 bis 1864, erlangte er den Titel eines Baumeisters und wurde 1867 Hofbaumeister in Potsdam. In diese Zeit fallen dann auch folgende Bauvorhaben in seiner Heimatstadt:

- Berliner Gerichtslaube im Park Babelsberg (1871-72); Bauleitung beim Wiederaufbau
- „Villa Fischbach" (1872-73), Puschkinallee 5
- „Villa Mühlberg" (1872-73), Puschkinallee 4,
- „Villa Francke" (1873-74), Gregor-Mendel-Str. 23
- „Villa Bier" (1874-76), Friedrich-Ebert-Str. 37.

Zudem erhielt er bis 1875 einen Lehrauftrag an der Berliner Bauakademie und wurde 1876 bis 1888 Leiter der Schlossbaukommission.

Während seiner Mitgliedschaft am Technischen Oberprüfungsamt in Berlin, von 1878 bis 1896, erhielt Reinhold Persius 1881 die Ernennung zum Oberhofbaurat.

In diese Zeit fallen:
- die erste bauliche Erweiterung der „Villa Liegnitz" im Park Sanssouci (1877-78)
- der Bau des Küsterhauses an der Friedenskirche im Park Sanssouci (1879)
- die Kapelle in Klein Glienicke (1880-81)
- sowie die Erweiterung der Bornstedter Kirche nach Osten (1881-82).

Eine besondere Auszeichnung erhielt er 1886 mit der Ernennung zum Konservator der Kunstdenkmäler in Preußen und zum Geh. Regierungsrat mit dem Titel „Hofarchitekt Seiner Majestät des Kaisers". Das Hauptanliegen in seinem reichen Arbeitsleben war zweifellos sein Einsatz in der Denkmalpflege, was er mit großem Engagement versah.

Seit 1890 Geheimer Oberregierungsrat, trat er 1901 aus gesundheitlichen Gründen von seinen Ämtern zurück.

Reinhold Persius starb in Berlin und wurde auf dem Selloschen Familienfriedhof der Familienstiftung Hofgärtner Hermann Sello auf dem Bornstedter Friedhof in Potsdam in der Nähe der kleinen Trauerhalle, die er 1880 entworfen hat und die im letzten Jahr grundlegend saniert wurde, beigesetzt.