Pressemitteilung Nr. 825 vom 06.12.2010

Einigung über Standort des Russisch-Orthodoxen Gemeindezentrums

Die Landeshauptstadt Potsdam und die Gemeinde der Russisch-Orthodoxen Kirche des heiligen Alexander Newskij zu Potsdam haben sich jetzt über einen Standort für die Errichtung des Gemeindezentrums geeinigt. Der Standort befindet sich am nördlichen Fuß des Kapellenbergs, unterhalb des ehemaligen königlichen Gartens.
Damit konnte ein vorläufiger Schlusspunkt unter die jahrelangen Bemühungen um die Standortfindung eines Gemeindezentrums für die inzwischen stark angewachsene Gemeinde gesetzt werden. An der Einigung wirkten Oberbürgermeister Jann Jakobs und Erzpriester Anatolij Koljada mit. Noch offen ist die Frage des Erbbauzinses. Dazu wollen beide Seiten jetzt einen Gutachter beauftragen, der den Verkehrswert des Grundstücks ermittelt, um der Gemeinde eine Sicherheit über die voraussichtlichen Kosten geben zu können. Anschließend wird eine Rahmenvereinbarung vorbereitet, die der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlussfassung vorgelegt wird. Sowohl die SVV wie auch die kirchlichen Instanzen müssen dann über die Vereinbarung entscheiden.
Die Russische Kolonie Alexandrowka ist eines der bedeutendsten Denkmale der deutsch-russischen Freundschaft. Sie wurde in den Jahren 1826/27 nach der Vorgabe König Friedrich Wilhelms III. angelegt, wobei die Ausführung bei Peter Joseph Lenné lag. Der Anlass der Anlage eines derartigen Gedächtnisortes war der Tod des Zaren Alexanders I. im Dezember 1825. Vorbild für die Kolonie war das Dorf Glasowo bei Pawlowsk in Russland. Die auf dem Kapellenberg errichtete Alexander-Newski-Gedächtniskirche ist eine Verkleinerung einer Kirche in Kiew, die heute nicht mehr existiert. Die Kirche in Potsdam ist somit der erste und bedeutendste Bau dieser Art in Westeuropa. Die Russisch-Orthodoxe Gemeinde, die zurückzuführen ist auf die erste russisch-orthodoxe Gemeinde aus der Zeit Friedrich Wilhelms I., pflegt seit über 180 Jahren das Andenken an die enge Beziehung zwischen Preußen und Russland. Demzufolge ist es wichtig, dass die Tradition an dieser Stelle ungebrochen fortgeführt werden kann.
Seit der politischen Wende wächst die Gemeinde ständig an. Deswegen werden eine Taufkapelle und Räume zur Vertiefung und Ausübung des Glaubens dringend benötigt. Das Königliche Landhaus Friedrich Wilhelms III. neben der Kirche soll ebenfalls in die beabsichtigte Rahmenvereinbarung einbezogen werden. Es wurde 1827 nach einem Entwurf des französischen Architekten Auguste de Montferrand, einem der bedeutendsten klassizistischen Architekten St. Petersburgs, errichtet. Das Haus soll künftig als Pfarrhaus und Priesterwohnung dienen. Zurzeit wird es mit Bundesmitteln aus dem Investitionsprogramm nationale UNESCO-Welterbestätten aufwändig restauriert.
Der Standort für das Gemeindezentrum wurde in Übereinstimmung mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK), dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege (BLDAM) und ICOMOS festgelegt. Die Standortanalyse wurde von dem Architekturbüro Bernd Redlich aus Potsdam vorgenommen.