Pressemitteilung Nr. 328 vom 26.06.2008

Stolpersteine in der Landeshauptstadt Potsdam

Einladung zur Festveranstaltung ins Filmmuseum

Am 3. Juli 2008 werden die ersten sieben „Stolpersteine in Potsdam" verlegt.

„Stolpersteine - ein Kunstprojekt für Europa" wurde 2003 von dem Kölner Künstler Gunther Demnig ins Leben gerufen. Mittels „Stolpersteinen" macht der in Berlin geborene Künstler auf die Schicksale von Opfern des Nazi-Terrors, von Rassenwahn, Intoleranz und Euthanasie aufmerksam. Inzwischen erinnern in Deutschland, in Österreich und in Ungarn über 12.500 dieser Objekte an die tragischen Schicksale ehemaliger Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Die Landeshauptstadt Potsdam beteiligt sich an dieser Aktion, um die persönliche Lebensgeschichte der ansonsten oft namenlosen Opfer und die historischen Ereignisse in der Stadt visuell erfahrbar zu machen.

Die Recherche zu den Schicksalen der einzelnen ehemals Potsdamer jüdischen Familien führten Schülerinnen und Schüler der Voltaire-Gesamtschule und des Helmholtz
Gymnasiums unter Begleitung ihrer Religionslehrer durch.

Die ersten sieben Stolpersteine werden verlegt für:

Wilhelm Kann in der Friedrich-Ebert-Straße 113

Samuel Guttmann am Platz der Einheit 2

Selma Neumann in der Friedrich-Ebert-Straße 13

Bertha Simonsohn in der Brandenburger-Straße 19

Siegfried Gormanns in der Ludwig-Richter-Straße 30

Paula Gormanns in der Ludwig-Richter-Straße 30

Walther David Gormanns in der Ludwig-Richter-Straße 30

Ein Flyer zu den „Stolpersteinen in Potsdam" enthält Kurzbiografien über die sieben Personen und ihre tragischen Schicksale, sowie eine Potsdamkarte, in der die Orte an denen die Stolpersteine verlegt werden gekennzeichnet sind.

Am Abend des 3. Juli 2008 findet ab 18.30 Uhr eine Festveranstaltung zum Thema im Filmmuseum Potsdam statt. Mittelpunkt der Veranstaltung, zu der alle interessierten Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen sind, werden die Berichte der Schülerinnen und Schüler zu ihren Recherchen sein. Anhand einer Ausstellung, einer Power Point Präsentation und eines Films werden die jungen Leute von ihrer Suche nach Lebensspuren von Potsdamer Juden und ihren Austausch mit den Angehörigen der Opfer sehr persönlich berichten.

Im Anschluss wird der Film von Michael Kann „Stielke, Heinz, fünfzehn" aus dem Jahr 1987 gezeigt. Mit der Deportation des Potsdamers Wilhelm Kann im Juni 1943 galt die Stadt für die Nazis als „judenrein". Wilhelm Kann, ehemals einflussreicher Vertreter des Potsdamer Bürgertums und der jüdischen Gemeinde, wurde am 4. Januar 1944 in Theresienstadt ermordet. Sein Enkel, der Regisseur Michael Kann, setzt sich später in mehreren seiner Filme mit vergleichbaren Unglücken von Menschen auseinander. An diesem Abend wird einer seiner Filme, „Stielke, Heinz, fünfzehn" gezeigt. In einem Filmgespräch vorab wird Michael Kann selbst über den Zusammenhang seiner künstlerischen Arbeit mit den schicksalhaften Erfahrungen seiner Familie berichten.