1871 - Aufschwung

Der nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 in Deutschland einsetzende wirtschaftliche Aufschwung ging auch an Potsdam nicht vorüber. Von 1860 bis 1890 vergrößerte sich die Einwohnerzahl um rund ein Drittel. Das Stadtgebiet erweiterte sich entlang der Ausfallstraßen: So entstanden die Berliner, die Brandenburger, die Teltower und die Nauener Vorstadt. Bedeutende wissenschaftliche Einrichtungen siedelten sich zwischen 1868 und 1892 in der Teltower Vorstadt an: Das Geodätische Institut, das Astrophysikalische Observatorium, das Magnetische und das Meteorologische Institut.

Unter der Regierung der Kaiser Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II. wurde der Charakter Potsdams weiterhin durch den Hof, das Militär und die Behörden bestimmt. Industrie und Handel blieben ohne gestaltenden Einfluss auf das Stadtbild.

Zwischen 1913 und 1916 entstand mit dem Schloss Cecilienhof - benannt nach der Kronprinzessin Cecilie - im Neuen Garten der letzte Schlossbau der Hohenzollern.

1914 unterzeichnete Kaiser Wilhelm II im Neuen Palais die Kriegserklärung. Durch die Novemberrevolution 1918 und die Abdankung des Kaisers verlor Potsdam seine Funktion als Residenzstadt. Im Verständnis der Stadtverwaltung wurde jedoch die offizielle Bezeichnung "Residenzstadt Potsdam" beibehalten. In dieser Zeit zeigten sich in Potsdam soziale Schwierigkeiten. Ein besonderes Problem war die Wohnungsnot, die durch neue Siedlungsbauten gemildert werden sollte.