Warum wir eine geschlechtersensible Medizin brauchen

Am Herzen wird der kleine Unterschied gefährlich!

Dr. Ute Seeland und Martina Trauth (© Janine Draeger)
Dr. Ute Seeland und Martina Trauth (© Janine Draeger)
Dr. Ute Seeland und Martina Trauth (© Janine Draeger)
Dr. Ute Seeland referiert im Frauentalk (© Janine Draeger)
Dr. Ute Seeland referiert im Frauentalk (© Janine Draeger)
Dr. Ute Seeland referiert im Frauentalk (© Janine Draeger)

Forschungsergebnisse der letzten 7 Jahre zeigen, dass sich männliche und weibliche Gesundheit erheblich voneinander unterscheiden. Beispielsweise sterben mehr Frauen an den Folgen einer chronischen Erkrankung der Herzkranzgefäße. Entgegen der „stechenden Brust“ und dem „schmerzenden Arm“, leiden Frauen unter Müdigkeit, Übelkeit und Antriebslosigkeit, weswegen sie eher als depressiv eingestuft werden, als herzleidend.

Dr. Ute Seeland versteht Gendermedizin als Wissenschaft, die sich zum Ziel gesetzt hat die Qualität in der medizinischen Versorgung von Frauen und Männern zu verbessern: „Ich bin davon überzeugt, dass die Erforschung sowohl der biologischen Geschlechterunterschiede als auch die Berücksichtigung der interagierenden soziokulturellen Unterschiede wesentlich zur verbesserten Diagnostik und Therapie in der Medizin beitragen“ so Seeland.

Seeland forscht vor allem zur Gefäßsteifigkeit, welche das Erkennen einer vorzeitigen Gefäßalterung bei Frauen und Männern ermöglicht. Eine diagnostizierte vorzeitige Gefäßalterung erleichtert eine frühzeitige Beratung über individuelle Risikofaktoren (z.B. ungesunde Lebensweise und Essgewohnheiten sowie unzureichende sportliche Betätigung), um eine dauerhafte Bluthochdruckerkrankung zu vermeiden.

Außerdem werden Erkenntnisse der Gendermedizin dazu beitragen bestimmte Erkrankungen wie z.B. die Osteoporose mehr in den Fokus der Männer zu rücken. Osteoporose wurde vornehmlich bei postmenopausalen Frauen diagnostiziert. Dennoch erkranken sehr viel häufiger, als bisher angenommen, auch Männer an Osteoporose und das Knochenbruchrisiko bei Männern ist teilweise höher als bei Frauen.

Das langfristige politische Ziel ist die Etablierung einer individualisierten Medizin. Hierzu sind zunächst einmal die Unterscheidung zwischen den Geschlechtern und die Berücksichtigung des Alters unabdingbar.

Die Aufklärung und Vorsorge im Bereich von Krebserkrankungen des Gebärmutterhalses sind bisher unzureichend. Eine von den Krankenkassen bezahlte Impfung von Mädchen und Jungen ab 9  Jahren gegen verschiedene Typen des Humanen Papillomvirus (HPV) soll hier den Durchbruch bringen. Aktuell erkranken in Deutschland ca. 4.610 Frauen pro Jahr an Gebärmutterhalskrebs, etwa 1.550 versterben an dieser Erkrankung. Würden alle Mädchen und Jungen rechtzeitig geimpft werden, könnte die Zahl der Erkrankungs- und Todesfälle um ein Vielfaches sinken.

Am 21. August beschäftigte sich der 4. Potsdamer Frauentalk, der Gleichstellungsbeauftragten Martina Trauth mit dem Thema Gendermedizin. Im Anschluss an den Vortrag diskutierten 20 geladene Gäste.

Frau Dr. Seeland ist davon überzeugt, dass einige Erkenntnisse aus der geschlechtersensiblen Medizin bereits jetzt regional in die Praxis umgesetzt werden könnten. Der Vortrag ließ eine Debatte aufkommen, die den Bedarf an weiteren Forschungsgeldern für die Translation in Potsdam und im Land Brandenburg thematisierte.

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