Pressemitteilung Nr. 761 vom 29.11.2016

Bürger-Projekt: Naturkundemuseum sucht Fotos der Gottesanbeterin

Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) Foto: M. Altgott
Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) Foto: M. Altgott
Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) Foto: M. Altgott

Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) ist heute in Berlin vom Bundesfachausschuss Entomologie des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) zum Insekt des Jahres 2017 gewählt worden. Anlässlich dieser Wahl widmen sich das Naturkundemuseum Potsdam und die Entomologen des Freundeskreises Mantiden-Freunde Berlin-Brandenburg der geschützten Tierart mit einem gemeinsamen Citizen Science-Projekt. Ziel des Projektes ist es, Bürgerinnen und Bürger aus Brandenburg und Berlin aktiv an der Suche nach dem Insekt des Jahres zu beteiligen, um die Ausbreitung der Gottesanbeterin in der Region zu erforschen.

Die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) ist die einzige der 2400 Fangschreckenarten, die in Europa nördlich der Alpen vorkommt. In Südeuropa ist sie weit verbreitet. Nördlich des 50. Breitengrades tritt sie hingegen nur inselartig und in wärmebegünstigten Lebensräumen auf. Im Zuge der aktuellen Klimaveränderung breitet sich die Jägerin seit den 1990er-Jahren allmählich in Richtung Norden aus. Ursprünglich wurde sie nur in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und im Saarland gefunden. Seit 1998 ist eine stabile Population in Berlin-Schöneberg bekannt. Es folgten Funde in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Inzwischen häufen sich auch Nachweise in Brandenburg.

Das Naturkundemuseum Potsdam ruft Menschen in der Region Brandenburg dazu auf, ihre Fotos von der versteckt lebenden Gottesanbeterin und ihrem Fundort aufzunehmen und dem Museum zur Verfügung zu stellen. Zudem werden das Funddatum sowie der Name des Fotografen benötigt. Die Hinweise nimmt Dr. Dirk Berger entgegen. Auch Hinweise aus der Lokalpresse können ab sofort an ihn gemeldet werden. Im Naturkundemuseum werden alle Meldungen in einer Datenbank erfasst. Im Anschluss erstellt das Museum gemeinsam mit den Mantiden-Freunden Berlin-Brandenburg Verbreitungskarten der Tierart. Anhand dieser Karten kann die Ausbreitung der Gottesanbeterin über Jahre hinweg wissenschaftlich verfolgt werden. Am Ende jedes Jahres wird die aktuelle Karte auf der Website des Museums veröffentlicht.

Die Europäische Gottesanbeterin ist die einzige Art in der Insektenordnung der Fangschrecken in Deutschland. Ihr Aussehen ist besonders, daher kann sie nicht mit anderen Insekten verwechselt werden. Die grün bis bräunlich gefärbten Gottesanbeterinnen besitzen einen sehr wendigen dreieckigen Kopf. Das auffälligste Merkmal sind jedoch die Vorderbeine, die zu kräftigen mit Dornen bedeckten Fangbeinen umgebildet sind. Mit ihnen fängt die Gottesanbeterin ihre Beute, die vorwiegend aus Insekten und Spinnentieren besteht. Die Beine werden zwar auch zum Laufen und Klettern benutzt, allerdings legt das Insekt sie in seiner Ruhe- und Lauerstellung unter das verlängerte Halsschild an. Diese typische Haltung gab dem Tier auch den Namen Gottesanbeterin. Die Weibchen sind etwa sieben Zentimeter groß. Die Männchen bleiben mit fünf bis sechs Zentimetern Körperlänge deutlich kleiner und sind zudem wesentlich schlanker als die Weibchen. Die Europäische Gottesanbeterin ist eine Lauerjägerin und gut getarnt. Die Nymphen, also die jungen Gottesanbeterinnen, sehen wie Miniaturausgaben der erwachsenen Tiere aus. Jedoch sind die Flügel erst komplett ausgebildet, wenn die Tiere erwachsen sind.

Bürgerinnen und Bürger, die sich auf die Suche begeben wollen, sollten am besten zwischen den Monaten August und September nach der ausgewachsenen Gottesanbeterin schauen. Die Europäische Gottesanbeterin ist eine Wärme und Sonne liebende Art und kommt in Trockenrasenoffenland mit geringem Strauchbewuchs vor. Sie lebt im hohen Gras, an Sträuchern aber auch auf dem Boden. In Berlin und Brandenburg wurde die Art beispielsweise auf Brachen, an stillgelegten Bahntrassen, auf Truppenübungsplätzen sowie auf alten Tagebauflächen nachgewiesen. In geschlossenen Wäldern kommt die Art in Brandenburg nicht vor. Von großem Interesse sind neben den Tieren auch die Eigelege der Gottesanbeterin. Sie sind ein wichtiger Hinweis für die Fortpflanzung der Art im Gebiet und können das ganze Jahr gefunden werden. Diese Gelege sind etwa bis zu 4,5 Zentimeter lang, einen Zentimeter breit und einen Zentimeter hoch. Die Eier werden in einem hellbeigen bis hellbraunen bauschaumähnlichen Sekret eingebettet. Hier scheint es lokale Unterschiede zu geben. Tiere in Berlin bringen ihre Eigelege vorzugsweise unter Steinen und an Bahnschienen an, wohingegen Tiere aus natürlichen Grasfluren ihre Gelege in den unteren Bereichen an krautigen Pflanzen ablegen. Die ausgewachsenen Tiere leben bis in den Herbst hinein, legen ihre Eier ab und sterben mit dem ersten Frost. Im Frühsommer schlüpft dann eine neue Generation von Gottesanbeterinnen.

Ansprechpartner für Fundmeldungen und weitere Informationen zum Projekt ist:
Dr. Dirk Berger
Naturkundemuseum Potsdam
Breite Straße 13
14461 Potsdam
0331289-6703
dirk.berger@rathaus.potsdam.de
www.naturkundemuseum-potsdam.de