Denkmalbehörde bittet um Fotos vom Altar-Gemälde der Alten Kirche
Pressemitteilung Nr. 493 vom 13.08.2019

Tag des offenen Denkmals: Die Alte und Neue Kirche Golm laden ein

Tag des offenen Denkmals: Neue Kirche Golm
Tag des offenen Denkmals: Neue Kirche Golm
Tag des offenen Denkmals: Neue Kirche Golm. Foto Landeshauptstadt Potsdam/ Dana Fiebig

Der Tag des offenen Denkmals findet in diesem Jahr am 8. September statt – auch die Kirchengemeinde Golm öffnet aus diesem Anlass die Pforten seiner beiden Kirchen, um diese der interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren.

Das Dorf Golm hat eine Besonderheit aufzuweisen: In dem 1289 erstmals urkundlich erwähnten Dorf steht nicht nur eine, sondern gleich zwei Kirchen in unmittelbarer Nachbarschaft. Am Fuße des sogenannten Reiherberges stehen sich die beiden Kirchengebäude gegenüber. Die kleinere und ältere der beiden liegt inmitten des historischen Friedhofs. Die größere und neuere Kaiser-Friedrich-Kirche löste die Alte Kirche vor knapp 135 Jahren in ihrer Funktion als Dorfkirche ab.
Die  Alte Kirche Golm, deren älteste Teile aus dem 15. Jahrhundert stammen, gehört zu den ältesten Kirchengebäuden in Potsdam. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde der einschiffige, verputzte Backsteinbau mit barocken Gestaltungselementen ausgestattet und durch einen quadratischen Westturm mit Zeltdach erweitert. Der noch erhaltene Altaraufsatz aus dem 18. Jahrhundert enthält eine Widmung des Königs Friedrich Wilhelm I. Bereits 1778 war aufgrund der Baufälligkeit des Gebäudes sowie der gewachsenen Bevölkerung in Golm ein Neubau erforderlich. Das Kirchengebäude wurde nicht durch einen Neubau ersetzt und stattdessen immer wieder repariert. Mit dem Bau der Kaiser-Friedrich-Kirche am Ende des 19. Jahrhunderts verlor die Alte Kirche ihre Funktion als Dorfkirche; sie wurde fortan als Begräbniskapelle weitergenutzt.

Nur wenige Meter entfernt von der Alten Kirche steht die 1886 geweihte Friedrich-Wilhelm Kirche. Der Backsteinbau in neugotischen Formen wurde nach seinem Förderer Kronprinz Friedrich Wilhelm benannt. Am 16. November 1882 überzeugte sich dieser zunächst allein und sechs Tage später im Beisein seiner Gattin vom schlechten Zustand der Alten Kirche in Golm. Friedrich Wilhelm und seine Frau Victoria, Prinzessin von Großbritannien, wollten mit dem Bau der Neuen Golmer Kirche eine bleibende Erinnerung an ihre Silberhochzeit schaffen.  Dies zeigte sich auch in Teilen der originalen Ausstattung der Kirche. Ursprünglich hingen im Turm drei Glocken, die auf unterschiedliche Bibelverse verwiesen. Diese sollten einerseits an den Gunstbeweis des Kaisers und andererseits an die Silberhochzeit des Kronprinzenpaares erinnern. Eine mittelalterliche Grabplatte im Eingangsbereich und die historische Orgel der Firma Gesell zählen noch heute zur besonderen Ausstattung der Kirche. Die ursprünglich von Carl Eduard Gesell gebaute Orgel wurde zusammen mit der Kirche 1886 eingeweiht und ist fast komplett original erhalten. Lediglich die 1917 beschlagnahmten Zinn-Prospektpfeifen wurden in den zwanziger Jahren in Zink ersetzt. Nach dem Tod Carl Eduard Gesells übernahm sein Schüler Alexander Schuke die Firma. Zum hundertjährigen Bestehen der Firma Schuke wurde die Orgel 1998 aufwendig restauriert.

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges gehörte Golm zum Kampfgebiet um Berlin und beide Kirchen erlitten durch Beschuss schwere Schäden. Erst 1962 konnte die Neue Kirche durch Eigeninitiative der Kirchenmitglieder notdürftig gesichert werden. Der beschädigte Dachreiter musste 1971 jedoch aus Sicherheitsgründen entfernt werden. Es ist vor allem dem 2002 gegründeten Kirchbauverein Golm e.V. zu verdanken, dass die Sanierung der evangelischen Dorfkirche vorangetrieben werden konnte. So erhielt der Kirchturm beispielsweise 2006 einen neuen, spitzen Dachreiter und im Folgejahr konnte die Turmuhr wieder in Betrieb genommen werden. Auch die bis dahin sicherheitsbedingt stillgelegte Glocke konnte ab 2013 wieder genutzt werden.

Der Fokus der kommenden Jahre soll nun auf der Instandsetzung der Alten Kirche liegen. Bereits 2013 konnte die Restaurierung des barocken Altaraufsatzes abgeschlossen werden. Aufgrund der Baufälligkeit des Objekts wird dieser seither im Potsdam Museum ausgestellt. Einst fasste der Altaraufsatz ein Gemälde, das Christus am Kreuz mit nach oben gerichteten Armen zeigte. Seit dem Ende der DDR 1989/90 gilt dieses Bild als verschollen. Bereits 2009 richtete man sich mit einem Aufruf an die umliegenden Gemeinden, bei der Suche nach dem verschwundenen Altarbild zu helfen. Die einzige existierende Aufnahme, eine Schwarz-Weiß-Abbildung, reicht für eine Rekonstruktion des Bildes leider nicht aus. Daher wurde die Gemeinde auch hier zur Mithilfe angeregt, ihre privaten Fotos, wie sie zum Beispiel bei Trauungen entstehen, auf Abbildungen des verschollenen Christusbildes zu prüfen. Leider ergab keiner der beiden Aufrufe hilfreiche Erkenntnisse.

Für die geplante Instandsetzung der Alten Kirche, sowie der Rückkehr des barocken Altars an seinen Ursprungsort wirft dieser Umstand nun konzeptionelle Probleme auf. Wie geht man mit dieser „Leerstelle“ um? Aus diesem Grund möchte die Untere Denkmalschutzbehörde Potsdam die umliegenden Gemeinden erneut dazu aufrufen, sich sowohl an der Suche nach dem verlorenen Bild als auch nach Fotos davon, zu beteiligen.