Protest und Verantwortung

Potsdamer Tanztage

JORDI GALI: T (© fabrik Potsdam/Anais LLeixa)
JORDI GALI: T (© fabrik Potsdam/Anais LLeixa)
JORDI GALI: T (© fabrik Potsdam/Anais LLeixa)
GUY NADER & MARIA CAMPOS: TTTTTT (© fabrik Potsdam/Alfred Mauve)
GUY NADER & MARIA CAMPOS: TTTTTT (© fabrik Potsdam/Alfred Mauve)
GUY NADER & MARIA CAMPOS: TTTTTT (© fabrik Potsdam/Alfred Mauve)
GRANATO TREASURED IN THE DARK (© fabrik Potsdam/Bertrand Delous)
GRANATO TREASURED IN THE DARK (© fabrik Potsdam/Bertrand Delous)
GRANATO TREASURED IN THE DARK (© fabrik Potsdam/Bertrand Delous)
CHOUINARD GARTEN DER LÜSTE (© fabrik Potsdam/Nicolas Ruel)
CHOUINARD GARTEN DER LÜSTE (© fabrik Potsdam/Nicolas Ruel)
CHOUINARD GARTEN DER LÜSTE (© fabrik Potsdam/Nicolas Ruel)
RUBBERBANDANCE VICS MIX (© fabrik Potsdam/Bill Hebert)
RUBBERBANDANCE VICS MIX (© fabrik Potsdam/Bill Hebert)
RUBBERBANDANCE VICS MIX (© fabrik Potsdam/Bill Hebert)
SUPRIYANTO BALABALA (© fabrik Potsdam/Widhi Cahya)
SUPRIYANTO BALABALA (© fabrik Potsdam/Widhi Cahya)
SUPRIYANTO BALABALA (© fabrik Potsdam/Widhi Cahya)

Eine Demo mit weißen Plakaten schreitet durch die Straßen Potsdams, indonesische Frauen praktizieren Kriegstänze, Traditionen geprägt von Tabus und Gewalt werden hinterfragt – die Potsdamer Tanztage werden dieses Jahr zum Resonanzraum fur Protest und Verantwortung.

Vom 16. bis 28. Mai 2017 lädt Potsdam zu einem international hochkarätigen Spektrum verschiedener Tanztheaterformen ein.

Beginnend mit der Deutschlandpremiere „Hieronymus Bosch: der Garten der Lüste“ der Compagnie Marie Chouinard, in deren Mittelpunkt die chaotische und anarchistische Welt von Hieronymus Bosch als Grundlage ihrer Choreografie steht. Angst, Freude, Emotionen und Lüste finden eine Bühne als Verkörperung der wildesten Träume der Menschen.

Weiterhin fallen in diesem Programm einige Produktionen auf, die für eine engagierte Kunst stehen. Sinnbild hierfür ist das Happening von Anne Collod, das eine Wiederaufnahme der Kunstdemo „The Blank Placard Dance“ von Anna Halprin aus dem Jahr 1976 nach Potsdam bringt. Die Banner der Demonstranten sind dabei unbeschriftet und rufen mit ihren fehlenden Parolen die Zuschauenden zur eigenen Vervollständigung der Revolte auf. Die Aktion ästhetisiert den Protest und macht ihn zur gemeinsamen Reflexion uber Aufregung, Aufwühlung und Aggression. Zudem rückt er die Rolle der Kunst als reflektive und subversive Tätigkeit in den Vordergrund.

Das Stück von Daina Ashbee „Unrelated“ beeindruckt durch die Thematisierung von Gewalt gegen Frauen in der indigenen Bevölkerung und ihrer Wirkung über Generationen hinaus. Der Tanz ist fur Ashbee eine Möglichkeit des Ausdrucks der Not, aber auch der Heilung.

Ali Chahrour beschäftigt sich in seinen Stücken den Traditionen seiner Heimat und behandelt in „May He Rise...“ das Thema der Männlichkeit im Zusammenspiel mit Momenten der Schwäche und des Verlusts.

Der indonesische Choreograf Eko Supriyanto widmet sich wiederum den Frauen Indonesiens. Er präsentiert mit „Balabala“ eine Gruppe junger Frauen, die mit der Praxis von typisch männlichen Kampfkünsten ihrer Region die gesellschaftlichen Regeln ihres Dorfes infrage stellen. Sein Stück wird zur Huldigung an die modernen indonesischen Frauen und reklamiert für sich die gesellschaftliche Wirkung der Kunst.

Mit einem Kanada Fokus haben die Potsdamer Tanztage darüber hinaus fünf Produktionen zu Gast, die einen (unweigerlich partiellen) Einblick in die Vielfalt der kanadischen Tanzszene gibt und damit das 150. Jubiläum der Gründung Kanadas mitfeiert. Die Compagnie Marie Chouinard gehört zu den bekanntesten Ensembles des Landes, so wie die RUBBERBANDance Group mit ihrem unverwechselbaren Stil aus Hip Hop und Zeitgenössischem Tanz.

Weitere enfants terribles wie Frédérick Gravel oder Daina Ashbee werden international für ihre hoch sensiblen und zugleich eindrucksvollen Stücke geschätzt. Als Festival-Prolog bereist Caroline Laurin-Beaucage mit ihrem openair Stück „Habiter sa Mémoire“ das Land Brandenburg und bringt in einer 4stündigen Performance für Passanten den Tanz ins alltägliche Leben.

Neben dem Aufführungsprogramm präsentieren die Potsdamer Tanztage ein breites Angebot von Konzerten, die nach den Stücken dazu einladen, den Abend zu verlängern: LINKAA, Pretty Mery k., HOPE, Aaron Ahrends, Raman Khalaf & Kaan Wafi sowie TripAdLip sind einige der Bands, die die openair Bühne der fabrik beleben werden.

Darüber hinaus lädt das Festival zum Besuch von 33 Workshops für Profis, Amateurs und Kinder, sowie zu Künstlergesprächen zur Vertiefung des Erlebten ein.

Adresse: 
fabrik Potsdam
Schiffbauergasse 10
14467 Potsdam
Deutschland

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