Fahrland, der Mittelpunkt Brandenburgs

Wer in der Landeshauptstadt Potsdam in Richtung Norden fährt und zum Nordufer des Fahrländer Sees aufbricht, der reist zum Mittelpunkt Brandenburgs, der dort unterhalb des Weinberges, liegt. Schon vor Tausenden von Jahren wurde die Gemarkung Fahrland von Menschen besiedelt. Dies belegen Funde aus der mittleren und jüngeren Steinzeit, die bedeutende Wallanlage "Römerschanze" aus der Bronzezeit im Königswald und eine Großsiedlung aus der Eisenzeit auf dem Kellerberg in Krampnitz.

Fahrland seit dem Mittelalter
Zur Zeit der Kolonisierung ab 1150 entstand aus der slawischen Fischersiedlung im Kietz ein für die damalige deutsche Siedlungen typisches Angerdorf. Gleichzeitig mit deutschen Bauern siedelte sich auf dem Burgwerder auch der markgräfliche Siedlungsbeauftragte (Vogt) in einer wehrhaften Burganlage an.

Die erste urkundliche Erwähnung von Fahrland findet sich auf einer Schenkungs-Urkunde des Markgrafen Otto II. von Brandenburg vom 28. Mai 1197, die im Domstiftsarchiv Brandenburg aufbewahrt wird. Ein Vogt Heinrich in Fahrland (Henricus in Vorlande) wird darauf als Zeuge angegeben.

Im 13. Jahrhundert bestanden neben dem Rittergut mit umfangreichem Grundbesitz zwischen dem Sieppunt und dem Hainholz noch weitere bäuerliche vom Gutsherren unabhängige Besitzungen, mit dreimal soviel Fläche sowie eine Mühle.

Bis zum Jahr 1693 waren Angehörige der Familie von Stechow Gutsherren in Fahrland. Damals wurde der Besitz an den Kurfürsten Friedrich III., den späteren König Friedrich I. verkauft. Das alte Schloss wurde durch einen Neubau, ein zweigeschossiges "Lusthaus" ersetzt, das zugleich auch als Amtshaus genutzt wurde. Auch wurde die Fahrländer Kirche bis 1774 mehrfach gründlich umgebaut und erhielt so ihre jetzige Innen- und Außengestaltung.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden in Fahrland zudem Leineweber angesiedelt, die für Potsdamer Unternehmer tätig waren. Deren typische Weberhäuser stehen heute noch in der Weberstraße.

Ab 1861 entstand in der Gemarkung des ehemaligen Hainholzes in der Nähe des Krampnitzsees eine Gärtner Siedlung, die ab 1875 zwischen dem Weißen See und dem Kirchberg durch eine Ansiedlung mit Wohnhäusern für begüterte Potsdamer Bürger erweitert wurde und dann seit 1894 die Bezeichnung "Kolonie Neu Fahrland" trug.

Ab 1905 kam es dann zum Bau einer Villensiedlung am Lehnitzsee, in der auch die Familie von Siemens ein Grundstück erwarb und darauf die Villa Heinenhof errichten ließ. Auf Flächen zwischen dem Fahrländer See und dem Krampnitzsee wurde 1936 mit der Planung und 1937 mit dem Bau der Kasernenanlage für die Heeres-, Reit- und Fahrschule begonnen.

Mit Wirkung vom 1. April 1939 wurde die Gemeinde Fahrland aus dem Landkreis Osthavelland in den Stadtkreis Potsdam eingemeindet. Diese Eingemeindung wurde 1952 durch das Gesetz über die Neugliederung des Gebietes der DDR rückgängig gemacht. Dabei wurde die Kolonie Neu Fahrland abgetrennt und zur selbständigen Landgemeinde erhoben. Im Jahr 1960 wurden die Kolonie Krampnitz und am 1. Januar 1974 das Dorf Kartzow nach Fahrland eingemeindet.

Nach der Umstrukturierung der regionalen Landwirtschaftsproduktion zwischen 1954 und 1960 wurde von 1975 bis 1983 neben der Bockwindmühle ein großes Obstkühllager errichtet. Dort konnten die auf den umliegenden Anbauflächen geernteten Äpfel für den Markt gelagert und aufbereitet werden. Auch der 250 ha große Fahrländer See wurde ab 1970 zu einem Fischintensivzuchtgewässer des VEB Binnenfischerei Potsdam umgewandelt.

Nach dem Mauerfall
Bis zur Bildung des Amtes Fahrland im Jahr 1993 hatte die Gemeinde Fahrland mit 2.700 ha Fläche und rund 1.200 Einwohnern einen hauptamtlichen Bürgermeister und vier Verwaltungsangestellte. Dazu kamen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den kommunalen Kindereinrichtungen und der Schule sowie zwei Gemeindearbeiter. Bis auf den kleinen Laden in Kartzow konnten die Versorgungseinrichtungen erhalten und sogar ausgebaut werden. In den Obstlagerhallen wurden neue Arbeitsplätze geschaffen und auch die private Landwirtschaft konnte wiederbelebt werden .

Mittlerweile hat Fahrland auch eine Grundschule mit Ganztagsbetreuung und integriertem Hort. Ein Kindergarten mit fast 90 Plätzen ist ebenfalls nach 1990 komplett saniert und erweitert worden. 1992 wurde ein Jugendhaus, der "Treffpunkt Fahrland" in der alten Dorfschule eingerichtet. Im Zuge der Gemeindegebietsreform ist Fahrland im Oktober 2003 der Landeshauptstadt Potsdam als Ortsteil zugeordnet worden.

Das Ziel, Fahrland zu einem neuen Wohnungsbaustandort am Rande von Potsdam und Berlin zu entwickeln, ist erreicht worden. Die im Nordosten an den Ortskern angrenzende Döberitzer Heide ist zu einem großen Naturreservoir entwickelt worden. Fahrland hat sich daher nicht nur zu einem attraktiven Wohnstandort entwickelt, sondern bietet auch Wanderern und Radfahrern vielfältige Betätigungsmöglichkeiten.

Tradition und Kultur
Alte Traditionen wie der Feuerwehrball, das Osterfeuer, das Erntedankfest, das Martinsfest und die Rentnerweihnachtsfeier wurden wiederbelebt und neue kulturelle Angebote durch die Musik- und Literaturgesellschaft Fahrland im Brandenburgischen Kulturbund sowie den Bürgerverein und die evangelische Kirchengemeinde Fahrland wie Konzerte in der Fahrländer und der Kartzower Dorfkirche bereichern das Angebot. Hinzu kommen die Möglichkeiten sich in den Reit- und Angelvereinen zu betätigen, zu segeln, zu surfen oder die Sportanlagen der Grundschule individuell oder im Sportverein zu nutzen.

Fahrland in der Literatur
Fahrland ist auch in die Literaturgeschichte eingegangen. Dabei hervorgehoben hat sich vor allem Friedrich August Schmidt von Werneuchen, der als "erster Sänger der Mark" der Heimat seiner Jugend in vielen Gedichten ein bis heute lebendiges Denkmal gesetzt hat.

Schmidt bedichtete Natur und Umwelt, den Alltag des Dorfes, das Landleben und die Menschen ganz realistisch, so wie er sie erlebte und sah. Theodor Fontane hat den Wert Schmidts in seiner Einheit von Mensch und Werk erkannt, als einen echten dichterischen Chronisten seiner Zeit, der so schrieb wie er lebte.

Für die Zeitgeschichte Fahrlands im 18. Jahrhundert ist aber Schmidts Amtsnachfolger, der Pfarrer Johann Andreas Moritz, 1774 bis 1793 im Amt, besonders wichtig. Er hat die erste umfangreiche Chronik von Fahrland verfasst, die noch heute im Pfarrarchiv aufbewahrt wird, Die darin enthaltenen lebensnahen Schilderungen des Zeitgeschehens im Ort geben einen lebendigen Eindruck in die damaligen Verhältnisse in Fahrland.

Adresse: 
Fahrland
Kienhorststraße
14476 Potsdam
Deutschland