GLANZVOLLER ABSCHLUSS DES M100 SANSSOUCI COLLOQUIUMS
KURT WESTERGAARD ERHÄLT M100 MEDIEN PREIS 2010





Bundeskanzlerin Merkel hielt mit Spannung erwartete Hauptrede, Joachim Gauck die Laudatio
Als Abschluss der internationalen Medienkonferenz M100 Sanssouci Colloquium wurde am 8. September unter hohen Sicherheitsvorkehrungen der dänische Karikaturist Kurt Westergaard mit dem M100 Medien Preis ausgezeichnet. Der 75-jährige Westergaard zeichnete eine der 12 Mohammed-Karikaturen, die am 30. September 2005 unter der Überschrift „Das Gesicht Mohammeds" in der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten erschienen ist. Seine Darstellung löste einen internationalen Streit um Meinungsfreiheit und gewalttätige Demonstrationen von Muslimen in der ganzen Welt aus, die sich von den Abbildungen beleidigt fühlten. Trotz eines auf ihn und einige seiner Kollegen ausgeschriebenen Kopfgelds von insgesamt elf Million Dollar verteidigt Westergaard seine Karikatur unter Hinweis auf das Recht der freien Meinungsäußerung.
Der M100-Beirat, dem Chefredakteure aus ganz Europa angehören, verleiht ihm die Auszeichnung als Anerkennung für sein unbeugsames Eintreten für Presse- und Meinungsfreiheit und für seinen Mut, zu diesen demokratischen Werten zu stehen und sie trotz Gewalt- und Todesdrohungen zu verteidigen.
Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs, der auch Vorsitzender des M100-Beirats ist, erklärte dazu: „Mit Kurt Westergaard ehren wir eine Persönlichkeit, die zum Symbol für die Presse- und Meinungsfreiheit geworden ist. Wenn eine Karikatur zu Drohungen gegen Leib und Leben führt, ist es unsere Pflicht, dem Verfasser öffentlich zur Seite zu stehen. Der Preis soll dieses Zeichen setzen."
Die Laudatio für Westergaard sprach der ehemalige Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes und Vorsitzende des Vereins Gegen Vergessen - für Demokratie e.V., Joachim Gauck. Er sagte in seiner Rede u.a.: „Gleichzeitig ist diese heutige Auszeichnung ein Appell an alle, die Verantwortung tragen in Regierungen, in der Kultur, in den Medien: standhaft, wertorientiert und ebenso MUTIG zu sein, wenn verantwortungslose Menschen und Mächte unsere freiheitlichen Werte untergraben oder relativieren. Es ist eine Tugend, einem überzeugenden Argument zu weichen, aber es ist Feigheit, einer Bedrohung von Feinden der Freiheit zu weichen." Er dankte dem Preisträger „für Ihr JA zu unseren europäischen Werten. Sie ermutigen uns, das Unsrige neu zu sprechen, wo immer es erforderlich ist."
Bundeskanzlerin Angela Merkel hielt im Rahmen der Verleihung die Hauptrede. Sie betonte darin: „Der heutige Tag kann uns für unser Thema „Pressefreiheit in Europa" - da bin ich mir sicher - Orientierung geben. Bei dem Mann, den Sie heute auszeichnen, dem dänischen Zeichner und Karikaturisten Kurt Westergaard, geht es um die Meinungs- und Pressefreiheit. Bei ihm geht es darum, ob er in einer westlichen Gesellschaft mit ihren Werten seine Mohammed-Karikaturen in einer Zeitung veröffentlichen darf, ja oder nein; egal, ob wir seine Karikaturen geschmackvoll finden oder nicht, ob wir sie für nötig und hilfreich halten oder eben nicht. Darf er das? Ja, er darf. Er ist ein Zeichner, wie es in Europa viele gibt. Europa ist ein Ort, in dem ein Zeichner so etwas zeichnen darf." Und: „[die Toleranz] ist nicht mit Standpunktlosigkeit und Beliebigkeit zu verwechseln. Sie hat niemals das geringste Verständnis für Intoleranz, für Gewalt von Links- und Rechtsextremismus oder für Gewalt im Namen einer Religion. Die Toleranz ist ihr eigener Totengräber, wenn sie sich nicht vor Intoleranz schützt. Religionsfreiheit meint eben nicht, dass im Zweifelsfall die Scharia über dem Grundgesetzt steht. Toleranz meint nicht Wegsehen oder das Messen mit zweierlei Maß. Und Respekt bedeutet nicht Unterwerfung."
Kurt Westergaard dankte für die „freundlichen und starken Worte": „Das ist die größte Anerkennung, die ich bisher bekommen habe, und ich glaube, sie ist gut für die Meinungsfreiheit." In seiner Dankesrede betonte er, dass er kein Problem mit Religionen habe. „Ich werde die Religionsfreiheit eines Jeden respektieren und verteidigen. Aber als Atheist bin ich mir auch meiner eigenen kulturellen und religiösen Tradition bewusst." Er sagte: „Die schwere Kollision zwischen Demokratie und religiösem Fundamentalismus, die durch Karikaturen katalysiert wurde, war meiner Meinung nach eine notwendige Entwicklung, die zugezogene Dänen dazu bringen sollte, die Werte, auf denen diese Gesellschaft aufgebaut ist, zu akzeptieren. Es gab daraufhin viele Proteste in der dänischen Gesellschaft, speziell seitens der intellektuellen Elite. Ich würde das kulturrelativistische Beschwichtigungspolitik nennen. Gegen totalitäre Weltanschauungen war Beschwichtigungspolitik allerdings noch nie erfolgreich. Deswegen war es für mich wichtig, trotz aller Drohungen, totalitären Einstellungen entgegenzutreten." Am Ende seiner Rede zitierte er den Kulturchef der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten, Flemming Rose, der 2005 die Karikaturen veröffentlich hatte, mit folgenden Worten: „Diese Karikaturen überschreiten in keinster Weise das Maß an Satire, dem wir nicht jeden anderen Dänen auch aussetzten würden, sei es die Königin, das Kirchenoberhaupt oder der Premierminister. Indem wir ein muslimisches Symbol ebenso behandeln wie ein jüdisches oder christliches, senden wir eine wichtige Botschaft - Ihr seid keine Fremden. Ihr seid hierhergekommen um zu bleiben und wir akzeptieren Euch als integrierten Teil unserer Gemeinschaft. Wir werden Euch auch der Satire aussetzen, und Ihr solltet es als einen Akt der Einbeziehung verstehen und nicht als Ausgrenzung. Als eine Handlung des Respekts und der Anerkennung."
Mit dem M100 Medien Preis wird jährlich eine Persönlichkeit ausgezeichnet, die in Europa und der Welt „Fußspuren" hinterlassen hat. Die Auszeichnung steht für Verdienste um den Schutz der freien Meinungsäußerung und die Vertiefung der Demokratie in Europa und der Welt sowie für besondere Verdienste um die internationale Verständigung und Kommunikation. Die bisherigen Preisträger waren Lord Foster, Architekt (2005), Dr. Bernard Kouchner, Gründer der Organisation „Ärzte ohne Grenzen" und französischer Außenminister (2006), Bob Geldof KBE, Musiker, Afrika-Aktivist und Gründer von Live AID (2007) Ingrid Betancourt, franko-kolumbianische Politikerin (2008) und Hans-Dietrich Genscher, ehemaliger Außenminister der Bundesrepublik Deutschland (2009).
Vor der Verleihung des Medien Preises hatten hochrangige Chefredakteure aus Europa und den USA den ganzen Tag über „Pressefreiheit in Europa" diskutiert. Im Fokus standen die Themen Politik und Pressefreiheit, Digitalisierung und Pressefreiheit sowie Justiz und Pressefreiheit. Zu den rund 80 geladenen Teilnehmern gehörten u.a. Stefan Aust (Agenda-Media), Wolfgang Blau (Zeit Online), Stephan Detjen (Deutschlandfunk), Kai Diekmann (BILD Gruppe), Mathias Döpfner (Axel Springer AG), Mikhail Fishman (Newsweek, Russland), Grzegorz Jankowski (Fakt, Polen) Hans-Ulrich Jörges (Stern), Maxim Kashulinsky (Forbes, Russland), Michal Kobosko (Newsweek, Polen), Berthold Kohler (FAZ), Roger Köppel (Die Weltwoche, Schweiz), Merit Kopli (Postimees, Estland), Christoph Lanz (DW-TV), Matthias Müller von Blumencron (Der Spiegel), Jørn Mikkelsen (Jyllands-Posten, Dänemark), Morgan Olofsson (SVT, Schweden), Jan-Eric Peters (Welt-Gruppe), Anita Rozentale (Bauskas Dzive, Lettland), Philipp Schindler (Google), Daniel Schmitt (Wikileaks), Paul Steiger (ProPublica, USA), Mark Thompson (Thomson Reuters, UK), Roland Tichy (Wirtschaftswoche) und John Witherow (The Sunday Times, GB).
M100 ist eine Initiative der Landeshauptstadt Potsdam und des Vereins Potsdam Media International e.V.
und findet im Rahmen der medienwoche@IFA statt. Gefördert wurde M100 2010 maßgeblich von der Landeshauptstadt Potsdam, dem Medienboard Berlin-Brandenburg und dem Auswärtigen Amt. Zudem wurde das Colloquium inhaltlich unterstützt durch Reporter ohne Grenzen.






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