


1734 bis 1737 als Wohnhaus errichtet, erlebte das barocke Stadtpalais in den ersten 200 Jahren eine wechselvolle Geschichte - vom preußischen Kommandantenhaus zum französischen Pferdelazarett, vom Sitz des ersten Potsdamer Stadtparlaments bis hin zum Gerichtsgebäude und Gefängnis.
Während der nationalsozialistischen Diktatur von 1933 bis 1945 waren hier Verfolgte des Nazi-Regimes inhaftiert, darunter mehr als 800 Zwangarbeiter aus 23 Nationen. und zahlreiche Mitglieder von Widerstandsgruppen, die in Potsdam vom Volksgerichtshof verurteilt wurden, nicht wenige zum Tod.
Von 1934 bis 1944 wurde das Gerichtsgebäude vom Potsdamer Erbgesundheitsgericht genutzt, das auf der Grundlage des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" mehr als 4.200 Frauen und Männer zur Zwangssterilisation verurteilte.
Im Sommer 1945 beschlagnahmte der sowjetische Geheimdienst den Gerichts- und Gefängniskomplex und nutzte ihn während der folgenden sieben Jahre als geheimdienstliches Untersuchungsgefängnis für das Land Brandenburg. Mehrere Tausend Frauen und Männer wurden unter unmenschlichen Bedingungen monatelang inhaftiert und verhört und von sowjetischen Militärtribunalen zu langjährigen Haftstrafen oder zum Tod verurteilt.
1952 wurde das Gefängnis an das Ministerium für Staatssicherheit der DDR übergeben, das hier seine Potsdamer Untersuchungshaftanstalt einrichtete. In dem vom Volksmund „Lindenhotel" genannten Gefängnis waren bis 1989 annähernd 7.000 Frauen und Männer den menschenrechtswidrigen Haftbedingungen und Verhörmethoden der Stasi schutzlos ausgesetzt.
Erst die friedliche Revolution erzwang im Oktober 1989 das Ende von Inhaftierungen aus politischen Gründen.
Als die Massendemonstrationen im Herbst 1989 die Machtstrukturen in der DDR erschütterten, gab die Stasi das „Lindenhotel" auf. Anfang 1990 übernahmen die demokratischen Parteien und Bewegungen aus der Stadt und dem Bezirk Potsdam das einstige Gerichtsgebäude als ihr erstes Arbeitsdomizil - aus einem „Haus des Terrors" wurde ein „Haus der Demokratie".
Bereit Anfang der 1990er Jahre engagierten sich Mitarbeiter des Potsdam Museums für den Erhalt des Gedenkortes, der 1995 auf Initiative der Fördergemeinschaft „Lindenstraße 54" per Stadtverordnetenbeschluss zur Gedenkstätte erklärt wurde. Seit 1995 ist das Anwesen als Teil des Potsdam Museums eine Gedenkstätte der Landeshauptstadt Potsdam. Seit dem Jahr 2003 steht die Aufarbeitung der Geschichte des Hauses im Mittelpunkt gemeinsamer Projekte des Potsdam Museums und des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam. So konnten u.a. die Ausstellungsmodule zur Geschichte des sowjetischen Geheimdienstgefängnisses (1945 - 1952), zum Stasi-Untersuchungsgefängnis (1952 bis 1989) und zum „Haus der Demokratie (1990) neu erarbeitet werden.
Die Gedenkstätte Lindenstraße 54/55 ist ein Ort der Erinnerung und des Gedenkens an die Opfer politischer Gewalt in beiden deutschen Diktaturen - und zugleich der Potsdamer Ort der Überwindung der Diktatur.

Öffnungszeiten:
DI - SO von 10 - 18 Uhr
Telefon: 0331 - 289 6136
Eintritt:
1,50 €, mit Führung 3 €
Schüler 1 €, mit Führung 2 €
Kontakt und Anmeldung von Führungen
Potsdam Museum, Benkertstraße 3, 14467 Potsdam
Telefon: 0331 - 289 6803
Fax: 0331 - 289 6808
museum-geschichte@rathaus.potdsdam.de
Sprechstunde im Potsdam Museum - Gedenkstätte Lindenstraße 54/55
Eine wöchentliche Sprechstunde bietet das Potsdam Museum mit der Koordinatorin der Gedenkstätte, Frau Gabriele Schnell, jeden Dienstag von 15 - 18 Uhr in der Lindenstraße 54/55 an.
Ehemalige Häftlinge und Interessierte an der Gedenkstättenarbeit können sich anmelden unter der Telefonnummer 0331 - 289 6136. Unter dieser Telefonnummer ist Gabriele Schnell auch während der Sprechstunden zu erreichen.



In drei Ausstellungsmodulen können sich die Besucher über die Geschichte dieses Ortes als sowjetisches
Geheimdienstgefängnis, als Stasi-Untersuchungsgefängnis und als „Haus der Demokratie" informieren.
Das sowjetische Geheimdienst-und Untersuchungsgefängnis (1945 - 1952)
Das Potsdamer Stasi-Untersuchungsgefängnis (1952 - 1989)
DEMOKRATIE - JETZT ODER NIE! Die Potsdamer Lindenstraße 54/55: Vom "Haus des Terrors" zum "Haus der Demokratie". Die friedliche Revolution. Potsdam 1989/90.
Ein weiterer Standort des Potsdam Museums ist der Gedenkort in der Henning-von Tresckow-Straße, der an die Mitverschwörer des Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944 erinnert.

Schüler - Projektwerkstatt „Lindenstraße 54" Potsdam
Die Schüler-Projektwerkstatt führt vor Ort Projekttage für Schulklassen und Lehrer-Fortbildungen durch. Die Werkstatt bietet den Schülern die Möglichkeit ein Stück deutsche Geschichte an authentischen Orten zu erleben. Ihnen soll neben dem Faktenwissen dabei ein Eindruck von der Atmosphäre der ehemaligen Untersuchungshaftanstalten des sowjetischen Geheimdienstes und der Staatssicherheit der ehemaligen DDR in Potsdam vermittelt werden. Gespräche mit Zeitzeugen werden angeboten, die ihre Erlebnisse sehr eindrucksvoll vermitteln.
Mehr Informationen zu den Angeboten der Projektwerkstatt erhalten Sie unter
www.pw-gedenkstaette-potsdam.de.vu.
"Ein Tag in Potsdam - Geschichte erleben"
Ein Bildungsangebot für Schulklassen der Stufen 8 bis 13
Das Projekt ist ein gemeinsames Bildungsangebot für Schülerinnen und Schüler der 8. bis 13. Klassenstufen, vom Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG), der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG), der Projektwerkstatt Lindenstraße 54 und dem Potsdam Museum - Gedenkstätte Lindenstraße 54/55 für die Opfer politischer Gewalt im 20. Jahrhundert.
Veranstaltungsreihe des Potsdam Museum- Gedenkstätte Lindenstraße 54/55 und des Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam
6. Mai 2010
Die Wiederentdeckung eines vergessenen Autors-
zum 80. Geburtstag von Horst Bienek (1930- 1990)
Der Journalist und Filmemacher Tilman Urbach spricht über Leben und Werk des Autors, der Schauspieler Michael Schrodt (Hans-Otto-Theater) liest aus den bislang unveröffentlichten „Potsdamer Tagebüchern"
Begrüßung: Gabriele Schnell, Potsdam Museum- Gedenkstätte „Lindenstraße 54/55"
Moderation: Hendrik Röder, Brandenburgisches Literaturbüro
Kooperationsveranstaltung mit dem Brandenburgischen Literaturbüro
Beginn: 19 Uhr, Eintritt: 5 €, ermäßigt 3 €
10. Juni 2010
Strafjustiz im Nationalsozialismus
Vortrag von Prof. Dr. Dr. Jörg Berkemann, Richter am
Bundesverwaltungsgericht a.D. mit anschließender Diskussion
Begrüßung: Dr. Jutta Götzmann, Potsdam Museum- Gedenkstätte „Lindenstraße 54/55"
Moderation: Claus Peter Ladner, Fördergemeinschaft „Lindenstraße 54"
Kooperationsveranstaltung mit der Fördergemeinschaft „Lindenstraße 54"
Beginn: 19 Uhr; Eintritt: 3 €
13. September 2010
„Der Geschichte in die Speichen greifen..."
Jugendlicher Widerstand in der frühen DDR
Filmvorführung und Diskussionsveranstaltung mit Gerhard Schmale (Zeitzeuge) und
Enrico Heitzer (Historiker)
Moderation: Dr. Jens Gieseke, Zentrum für Zeithistorische Forschung
Kooperationsveranstaltung mit der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Ort: Filmmuseum Potsdam 1A,
Beginn: 19.00 Uhr; Eintritt frei
21. Oktober 2010
Eingemauert
Prof. Manfred Görlach, 1961 unter dem Deliktvorwurf der
„Fluchthilfe" in Ost-Berlin verhaftet, berichtet über seine Haft in Potsdam und Brandenburg
Begrüßung: Claus Peter Ladner, Fördergemeinschaft „Lindenstraße 54"
Moderation: Dr. Hans-Hermann Hertle, Zentrum für Zeithistorische Forschung
Kooperationsveranstaltung mit der Fördergemeinschaft „Lindenstraße 54"
Beginn: 19 Uhr; Eintritt: 3 €
18. November 2010
Menschenhandel oder Menschenrechtpolitik?
Der Freikauf politischer Häftlinge aus der DDR 1962/63 bis 1989
Vortrag von Jan Philipp Wölbern, Zentrum für Zeithistorische Forschung
Begrüßung: Hannes Wittenberg, Potsdam Museum-Gedenkstätte „Lindenstraße 54/55"
anschließend Gespräch mit Dr. Hans-Hermann Hertle, Zentrum für Zeithistorische Forschung
Beginn: 19 Uhr; Eintritt: 3 €








