Pressemitteilung Nr. 164 vom 20.03.2017

Ein Stolperstein für Dr. Gustav Herzfeld

Stolperstein für Dr. Gustav Herzfeld
Stolperstein für Dr. Gustav Herzfeld
Stolperstein für Dr. Gustav Herzfeld. Foto Landeshauptstadt Potsdam/ Stefan Schulz

Die Landeshauptstadt hat heute in der Potsdamer Straße 60 in Bornim den dreißigsten Stolperstein in Potsdam verlegt. Mit der Messingtafel wird an das Schicksal Dr. Gustav Herzfelds erinnert. In Anwesenheit von Oberbürgermeister Jann Jakobs, Angehörigen der Familie Herzfeld und für das Stolpersteinprojekt Engagierte hat der Künstler Gunter Demnig die Verlegung des Gedenksteins vorgenommen.

„Mit diesem Stolperstein gedenken wir Gustav Herzfeld und halten die Erinnerung an geschehenes Unrecht wach“, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs. „Die Landeshauptstadt setzt diese wichtige Erinnerungskultur weiter fort, um den Opfern zu gedenken und um an eine schlimme Zeit zu erinnern, in der Mord und Totschlag das Alltagsleben in nahezu jeder deutschen Stadt beherrschte.“

Seit 2008 beteiligt sich die Landeshauptstadt Potsdam an der Aktion „Stolpersteine – ein Kunstprojekt für Europa“. Die kleinen Gedenktafeln sollen an die Schicksale der Menschen erinnern, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, vertrieben, deportiert und ermordet wurden.

Im Rahmen der Stolpersteinverlegung haben Jugendliche und junge Erwachsene aus evangelischen Kirchengemeinden Potsdams unter Leitung des Historikers Dr. Sascha Topp zum Leben und Schicksal der Familie Herzfeld intensiv ein halbes Jahr recherchiert.

Gustav Herzfeld wurde am 7. Mai 1861 in New York in eine Bankiers-Familie hineingeboren. Mit seiner Frau Elise und dem Sohn Joachim zog er 1903 nach Potsdam und ließ sich in der heutigen Geschwister-Scholl-Straße 54 eine Villa errichten. Ein Jahr vor seiner Zulassung als Anwalt 1909 trat Gustav Herzfeld zum Christentum über.

Nachdem der Sohn im Ersten Weltkrieg gefallen und seine Frau Selbstmord beging, zog Gustav Herzfeld in die heutige Potsdamer Straße 60. Als Christ jüdischer Herkunft wurde er während der nationalsozialistischen Diktatur verfolgt und in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Sein Todesdatum wird mit dem 27. Oktober 1942 angegeben.

Im Anschluss an die Verlegung des Stolpersteins haben die Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Gemeindehaus Bornim ihre Recherchen zum Leben der Familie Herzfeld vorgestellt und gemeinsam an das Schicksal Gustav Herzfelds gedenken.